verschiedene Ansichten

In letzter Zeit gab es auch wieder vermehrt kritische Stimmen zum Thema Covid und den Maßnahmen der Regierung. In Ö1 wurde letzte Woche ein Interview mit dem Mikrobiologen Prof. DDr. Haditsch ausgestrahlt, welcher dabei - mit einer sehr eigenen Ansicht der aktuell wissenschaftlich gesicherten Kenntnisse - zu einem massiven Rundum-Schlag gegen unsere Regierung ausgeholt hat. Am meisten hat Prof. Haditsch gegen die Angst- und Panikmache seitens Gesundheitsminister und Bundeskanzler gewettert. Ich würde ihm an dieser Stelle einmal einen Ausflug ins Ausland empfehlen: TV-Spots mit der Empfehlung, beim gemeinsamen Shopping-Bummel gleich auch einen Sarg einzukaufen. "Probeweises" Testliegen" im Sarg für Maskenverweigerer, u.s.w..

Je vernünftiger wir Menschen sind, je mehr Rücksicht wir in dieser Zeit auf unsere Mitmenschen nehmen, umso weniger Angst muss unsere Regierung verbreiten. Umso weniger gesetzlich verordnete Restriktionen und Einschränkungen in unserer persönlichen Freiheit muss es geben. 

Allerdings zeigen die Zahlen das Gegenteil:

Höchstzahl an Neu-Infektionen am 27.3.2020: 992

Tiefststand an Neuinfektionen am 3.5.2020 nach dem Lockdown: 19

Erstmals wieder über 100 Neuinfektionen an einem Tag am 1.7.2020 mit 107

Heute 8.9.2020 - einschließlich einer Korrektur der Wiener Zahlen: über 500 Neuinfektionen

Meine persönlich Prognose: bei über 1000 Neuinfektionen pro Tag rückt ein Lockdown zumindest in Teilen Österreichs wieder in bedrohliche Nähe. Schaffen wir es, den Trend mit täglich steigenden Neuinfektionen mit Vernunft zu bremsen, oder sind wir wieder dumm genug, es darauf ankommen zu lassen?

Geschafft!!!

Wir haben es geschafft! Auch in Oberperfuss haben wir wieder einen Covid-Fall. Hat das echt sein müssen? Offensichtlich ja. 

Bitte bei Husten/Kurzatmigkeit/Geruchs- oder Geschmacksverlust entweder bei uns in der Praxis oder bei 1450 ANRUFEN. Niemals ohne Anmeldung in die Praxis kommen!

Falls bei uns ein COVID-positiver Patient - ohne unser Wissen - im (Vor-)Warteraum sitzt, müssen wir sämtliche Personen, die Kontakt (gleiches Zimmer) mit dem Patienten hatten, an das Land Tirol melden, welches im schlimmsten Falls auch über diese eine Quarantäne verhängen kann.

Bitte KEINESFALLS so wie eine junge Dame am Samstag ohne vorherigen Anruf mit Husten und Atemnot einfach in unsere Praxis kommen!

320

Seit heute morgen steht das COVID-Dashboard Tirol auf aktuell 320 COVID positive Personen. 41 in Innsbruck Land. Pfaffenhofen, Inzing, Götzens, Axams und seit gestern Kematen. Fällt Euch etwas auf? Es rückt wieder näher.

Auch wenn es langsam langweilig wird und ich mich wiederhole: wenn wir so unbekümmert weitermachen kommt es unweigerlich wieder zu einem Lockdown - und mit etwas Pech wieder zu einem Schließen der Schulen im Herbst. Und dann wieder der große Katzenjammer - obwohl es sich mit etwas Hirn und Vorsicht vermeiden ließe.

Deshalb auch - aus gegebenem Anlass - noch einmal ein Hinweis: beim Auftreten von COVID-typischen Symptomen (Husten mit Atemnot, Geruchs- oder Geschmacksverlust) IMMER ZUM TELEFONHÖRER greifen! Ihr könnt bei uns in der Praxis oder bei 1450 anrufen, um ZUERST einen COVID-Test zu bekommen (Seit neuestem können wir direkt im EDV-System der Leitstelle Covid-Tests einbuchen - die Durchführung der Tests läuft aber immer noch über das Rote Kreuz). BITTE NICHT MIT SYMPTOMEN OHNE ANMELDUNG IN DIE PRAXIS KOMMEN!!!

Reproduktionszahl größer 1

Leider ist die Reproduktionszahl in Österreich - und auch in Tirol - sehr konstant über 1. Im Moment ca. auf 1,3. Das bedeutet, dass ein COVID Positiver im Schnitt 1,3 weitere Menschen ansteckt. Das heißt, wir haben täglich mehr COVID-positive.

In der schlimmsten Zeit (April) hatten wir eine Reproduktionszahl von über 2. Und ich würde einmal davon ausgehen, dass es bei einem neuerlichen Erreichen dieser Zahl zumindest zu einem teilweisen neuerlichen Lockdown kommen würde. Dass zumindest in Teilen von Österreich die Schulen, die Gastronomie und vielleicht auch wieder das eine oder andere Geschäft geschlossen werden.

Gestern war der Leiter unseres Unterperfer Wohnheims kurz zu einem Kaffee bei mir zu Hause und hat folgenden bemerkenswerten Satz gesagt: "es fehlt die Rücksicht auf den Übernächsten!". Das trifft es recht gut. Menschen mit schweren Erkrankungen sowie Menschen mit nahen Angehörigen mit schweren Erkrankungen sind in den meisten Fällen eher umsichtig und rücksichtsvoll. Wenn kein gesundheitlich angeschlagener Mensch in der näheren Umgebung ist, dann ist es mit Umsicht und Rücksicht in vielen Fällen nicht mehr so weit her, weil man ja eh nix zu befürchten hat...

Am allerwenigsten kann ich die ganzen Verschwörungstheoretiker und Covidioten verstehen. Unsere Politiker hätten das alles nur erfunden, um uns zu unterdrücken und zu kontrollieren... Liebe Leute: wir nähern uns weltweit einer Million Covid-Toten. 41.000 in Großbritannien, 35.000 in Italien. Und sogar Donald Trump hat mittlerweile nach 180.000 toten US Bürgern verstanden und zugegeben, dass COVID nun doch kein Kindergeburtstag ist.

Natürlich wurden von Seiten der Politik zu Beginn dieser Krise - auf die Österreich und insbesonders das Land Tirol völlig unvorbereitet waren - vor allen auch in der Kommunikation Fehler gemacht. Es wurde von einem Horrorszenario von 100.000 Toten gesprochen. In meinem ersten Blogeinträgen bin ich von 3.000 bis schlimmstenfalls 15.000 Toten ausgegangen. Und bisher sind es erfreulicherweise erst knapp 800. Aber so, wie ich die Situation im Moment sehe, sind Appelle an die Vernunft in Österreich absolut sinnlos - es funktioniert nun mal nur mit gesetzlichen Einschränkungen und dem Erzeugen von Angst. Leider. 

zweite Welle

Wir hatten in den letzten 24 Stunden in Österreich fast 350 COVID-Neuinfektionen. Ich würde somit langsam aber sicher von einer zweiten Welle sprechen.

Und es wundert mich nicht einmal ein bisschen: in der Praxis bei uns wird Mund- und Nasenschutz verwendet. Wir lassen maximal drei Patienten ins Wartezimmer und arbeiten nur auf Termin. Wir haben Schutzglas an Schreibtischen und Anmeldung. 

Und im "echten Leben"?

Als ich am Wochenende durch den Ort gefahren bin, sind Musik und Schützen in Uniform eng aneinandergedrängt ohne Abstand oder Maske auf der Straße gestanden. Und nein - eine Uniform schützt NICHT vor Covid (gilt übrigens auch für die Feuerwehr). Bei einem riesigen Begräbnis im Ort waren hunderte von TeilnehmerInnen - teils auch in der Kirche, d.h. im geschlossenen Raum - ohne Abstand und ohne Mundschutz am Weg. Auf diesem Wege mein tiefstes Beileid an die Hinterbliebenen dieser Tragödie! Und es ist natürlich nicht Aufgabe der Hinterbliebenen, sich um COVID-Regeln zu kümmern. Allerdings wäre es Aufgabe der Gemeindeführung, hier für Vernunft und Befolgung der gesetzlichen Vorgaben zu sorgen, anstatt auf Biegen und Brechen teilzunehmen. 

Ob ich zornig bin? Ja! Es ist nur eine Frage der Zeit - einer vermutlich sehr kurzen Zeit - bis wir in unserem Ort wieder Covid positive Fälle haben. Und eine Frage der Zeit, bis es wieder COVID-Tote in Tirol geben wird. 

beim Tanzen ...

Viele Experten haben zu Beginn der COVID-Pandemie nicht vor einer zweiten Welle gewarnt, sondern haben das ganze "the hammer and the dance" genannt. Der Hammer war die erste Welle - einschließlich komplettem Lockdown. Und nun sind wir beim Tanzen. Im Moment eher schlecht wie recht. Mit täglichen nachgewiesenen Neu-Infektionen knapp unter 200 in Österreich. Mit einer Reproduktionszahl größer eins. Das heißt, es gibt wieder täglich mehr und mehr nachgewiesen COVID-positive Menschen in Österreich. Irgendwie mangelt es an Bewusstsein, dass eine COVID-19 Erkrankung kein Kindergeburtstag ist. Beginnend beim jungen M-Preis-Mitarbeiter, der beim durch die Gegend Niesen in der Arbeit seinen Mund-Nasenschutz fröhlich am Kinn trägt und auch durch explizite Aufforderung nicht dazu zu bewegen ist, diesen seiner eigentlichen Bestimmung nach über Mund und Nase zu ziehen. Und es setzt sich beim dringenden Bedürfnis fort, in größeren Gruppen ohne jegliche Schutzmaßnahmen gemeinsam am Abend abzufeiern.

Wenn wir es nicht schaffen sollten, den im Moment sichtbaren Trend in nächster Zeit wieder umzukehren, wird der - auch wirtschaftliche Schaden - nochmals erheblich größer werden. Ich bin wirklich neugierig, ob unsere Kinder im Herbst wieder ganz normal in die Schule gehen. Wann Krankenhäuser wieder uneingeschränkt Besuche zulassen werden. Und ob es in Pflegeheimen wieder zu einer Einschränkung der Besuchsmöglichkeiten kommen wird.

Auf wessen Kosten geht also der ganze Spaß im Urlaub, beim Ausgehen und beim Feiern, den wir uns so partout nicht nehmen lassen wollen? Auf Kosten der Schwächsten unter uns: Ältere, Kranke, Hilfsbedürftige und Kinder.

Unvernunft

Im Moment habe ich - trotz der geringen Fallzahlen von 1 Erkrankten im Bezirk Innsbruck Land und 5 Erkrankten in Innsbruck Stadt - ein ziemlich flaues Gefühl betreffend COVID: mit dem Fall der Schutzmaskenpflicht scheint bei vielen Mitmenschen auch das Gefühl für Abstand und das Verantwortungsgefühl gefallen zu sein.

Wenn wir so weitermachen steuern wir unweigerlich auf eine 2. Welle zu - schlimmstenfalls mit neuerlichem Shutdown und allem was dazugehört, um unserer Wirtschaft zu schaden.

Bitte: seid vernünftig. Haltet Abstand!

nach langer Pause...

Da sich die Situation in punkto COVID in den letzten Wochen - Gottseidank - beruhigt hat, ist seit meinem letzten Blog-Eintrag nun doch einiges an Zeit vergangen.

Im Moment ist der Friede bei COVID ein sehr zerbrechlicher: ein kleiner Cluster in Salzburg, ein riesiger Cluster mit Lockdown einer Region mt 650.000 Einwohnern in Deutschland (Tönnies...).

Das Wichtigste ist jetzt VERNUNFT - und diese scheint mir ein wenig Mangelware. Bei manchen PatientInnen herrscht Unverständnis, warum wir in unserer Praxis nach wie vor nur auf Termin arbeiten und keine Patienten ohne Anmeldung in unser Wartezimmer lassen.

Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme ist im Moment meines Erachtens ABSTAND. Die Gefahr lauert überall dort, wo Menschen ohne Rücksicht auf andere ohne Abstand aufeinanderkleben. Im Supermarkt an der Kasse, beim Ausgehen, unter Freunden. Der Baby-Elefant gilt immer noch!

COVID Tests

In letzter Zeit tauchen vermehrt Fragen nach COVID Tests auf, vor allem wegen Auslandsreisen:

Grundsätzlich müssen 2 Arten von Tests unterschieden werden. 

1) Erregernachweis (PCR) und 2) Antikörper-Suchtests (Schnelltest / ELISA)

Für eine Bestätigung, dass man COVID-frei ist (über die Grenze darf), wird ein negativer Erreger-Nachweis (PCR) benötigt. Abnahme mit Abstrich von der Rachenhinterwand, Kosten für diese Tests (auf eigenen Wunsch beim Gesunden) liegen um die Euro 100,-.

Ein Antikörper-Suchtest aus dem Blut (Kosten Euro 40,- bis 50,-) gibt lediglich Auskunft darüber, ob jemand früher bereits mit dem Virus Kontakt hatte - mit allen Unsicherheiten und Einschränkungen, die ich im Blogeintrag vom 8. April erörtert habe. Mit einem Antikörper-Suchtest kann allerdings keine frische Infektion ausgeschlossen werden. 

Fazit: wer über die Grenze will, kommt um einen Erregernachweis mittels PCR nicht herum. Die Abnahme bei uns ist jederzeit nach Terminvereinbarung möglich. Eine Testung über die Infrastruktur des Landes Tirol ("1450") ist nur im Krankheitsfall möglich. 

Es wird ruhiger ...

Es sieht im Moment tatsächlich danach aus, als ob in Österreich und Deutschland täglich weniger Menschen als an COVID erkrankt gelten würden. Würden wir die im Moment laufenden Maßnahmen weiter aufrecht erhalten, hätten wir nach verschiedenen mathematischen Modellen sogar die Chance, COVID komplett "auszuhungern". So lange, bis die Grenzen wieder geöffnet werden und wir die Krankheit wieder importieren ...

Da nun aber ohnehin die Maßnahmen zunehmend gelockert werden (Schulen wieder teilweise geöffnet, Geschäfte wieder zunehmend geöffnet, in Kürze wieder geöffnete Gasthäuser und Lokale,...) werden wir das mit dem "Aushungern" von COVID vermutlich ohnehin nicht schaffen. Mit etwas Glück können wir COVID über den Sommer auf "Sparflamme" halten - bis zum Herbst. Dann prognostizieren die meisten Virologen einen nochmaligen Ausbruch von COVID 19, möglicherweise auch noch einmal mit einem Shutdown wie in den letzten Wochen. Wir werden sehen.

Für die Zukunft heißt es aber testen, testen und nochmal testen - um einen neuerlichen Ausbruch von COVID 19 nicht zu "verschlafen" und vereinzelte Erkrankte sofort aus dem Verkehr zu ziehen und unter Quarantäne zu stellen. Leider dürfen wir Hausärzte in Tirol laut Landesregierung aus mir unerfindlichen Gründen immer noch keine Abstriche für eine PCR auf COVID einschicken. Aus diesem Grund habe ich unsere Praxis nun beim virologischen Institut der Universität Wien als "Sentinel"-Praxis angemeldet. Sentinel-Praxen sind Wächter-Praxen für die jeweilige Region. Das bedeutet, es dürfen und sollen sogar Abstriche auf COVID 19, im Herbst auch auf Influenza bei uns abgenommen und nach Wien geschickt werden, um damit vor Ausbrüchen dieser Erkrankungen bei uns frühzeitig zu warnen.

Eine weitere Front ist der Kampf um die Krankenkassenhonorare. Wir arbeiten jetzt auf Termin, mit reservierten Zeiten von 10 bis 15 Minuten pro Patient - um ein Kassenhonorar bei der ÖGK Tirol von 4,30 Euro (richtig gelesen - vier Euro dreißig Cent) pro Patient. Das werden wir Hausärzte nicht ewig so mitmachen. Es läuft hier unter anderem eine Petition der Hausärzte - allerdings vermutlich ohne Erfolg. 

Unsererseits werden wir ab Mai unsere Ordinationszeiten neuerlich erweitern - siehe Homepage - und dabei versuchen, potentiell infektiöse Patienten von Gesunden zu trennen.

neue Normalität

Wie wir es täglich in den Medien hören, sind wir am Weg in eine "neue Normalität". 

Seit dieser Woche haben wir unsere Praxis wieder zwei Nachmittage geöffnet, ab Mai werden wir die Ordinationszeiten noch weiter ausweiten - wobei wir dann mehr Stunden wie vor COVID geöffnet haben werden. Nur so ist es möglich, auf Termin einen Patienten nach dem anderen ohne nennenswerte Wartezeiten und mit genügend Zeitpuffer zu behandeln.

Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Großteil unserer Patienten nach telefonischer Voranmeldung kommt. Medikamentenanforderungen sollten weiterhin bevorzugt schriftlich (e-Mail, Postkasten) deponiert werden, weil wir unsere Telefonkapazitäten für Terminvergaben und andere telefonische Anfragen benötigen.

Zusammenfassend ist es aber wichtig, dass die medizinische Versorgung wieder vom absolut Notwendigsten der letzten Wochen auf ein vernünftiges Maß hochfährt. Es gab die letzten Wochen laut Medien 30% weniger Herzinfarkte wie in den letzten Jahren. Was aber lediglich bedeutet, dass ein Teil der Herzinfarkte einfach unentdeckt blieb. Im Gegenzug sind laut gestrigen Aussagen der Statistiker über 500 Menschen mehr - nicht an COVID! - wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres gestorben.

An den Mund-Nasenschutz beim Einkaufen oder auch in unserer Praxis werden wir uns für die nächsten Monate, vielleicht auch ein wenig länger, gewöhnen müssen.