Neue Schnelltests

Seit kurzem werden nun die neuen Antigen-Schnelltests für uns Ärzte angeboten. Das Ergebnis, ob jemand Covid-positiv ist oder nicht, liegt in 15 Minuten vor.

Grundsätzlich denke ich, dass diese neuen Tests - im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Antikörper-Schnelltests - eine gute Sache sind. Es gibt ausreichend Publikationen, die besagen, dass ein binnen 15 Minuten verfügbarer, im Gegenzug aber etwas ungenauerer Test, in der aktuellen Situation wertvoller ist, als ein möglichst genauer Test, dessen Ergebnis aber derzeit mit 2-4 Tagen Verspätung eintrifft.

Die Fa. Abbott bietet einen Schnelltest an, der insgesamt bei 93% aller Infizierten richtig liegt. Bei Menschen mit hohen Virus-Mengen (sogenannter CT-Value <= 33) stimmt der Test in über 98% der Fälle. Allerdings sind das die Angaben des Herstellers, es gibt noch keine offizielle Freigabe der österreichischen Behörden. Gesunde Patienten werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% als richtig gesund eingestuft. 

Wir werden uns diesen Test voraussichtlich demnächst besorgen, müssen aber klarstellen, dass wir - solange es keine Freigabe durch die Behörden gibt - für falsch negative Resultate, d.h. "übersehene" Infektionen keinerlei Haftung übernehmen können. Die Kosten für einen Test liegen voraussichtlich bei 10 bis 15 Euro.

Wie geht´s weiter?

Ich tu mich im Moment zugegeben echt schwer, abzuschätzen wie es weitergeht.

Einerseits haben wir in Relation zu den Infektionszahlen wirklich deutlich weniger COVID-Kranke in Krankenhäusern und vor allem auf Intensivstationen. Im April hatten wir in der schlimmsten Zeit etwa 250 Menschen auf österreichischen Intensivstationen liegen, im Moment "nur" 55. Mögliche Erklärungen sind, dass die Zahl erst im Steigen ist, dass die Therapie besser wird (ist sie definitiv), oder dass das Virus harmloser wird - was ich fast nicht glaube. Mal sehen...

Die Zahlen an Neuinfektionen machen seit dieser Woche zumindest einmal einen sehr konstanten Eindruck, d.h. die Zahl der Neuinfektionen ist zumindest recht stabil bei etwa 700 pro Tag.

Mit erweiterter Maskenpflicht und mit der Hoffnung, dass wieder etwas mehr Vernunft einkehren möge, können wir vielleicht einen zweiten Lockdown verhindern.

Eine kleine Warnung an die "Unbelehrbaren" (wobei das dann vermutlich eh nix nützt, sonst wären sie ja nicht unbelehrbar...): wer glaubt, dass wir im Moment ohne Einschränkungen weitermachen können, weiter ohne Einschränkung Feiern und Ähnliches durchführen können, so mit Musik und Gesang, wo sich die Chöre - im Idealfall in geschlossenen Räumen oder Kirchen - die Viren gegenseitig um die Ohren singen (und spucken), wird eine andere Realität erleben. Israel hat den zweiten Lockdown, Großbritannien steht kurz vor dem zweiten Lockdown. Wem seine Mitmenschen und auch unsere Wirtschaft, unsere Existenzgrundlage - und damit auch der eigene Job! - wirklich völlig egal sind, der möge bitte so weitermachen...

"Leute, reißt euch am Riemen!"

"Leute, reißt euch am Riemen!"

Nein, dieser Satz stammt nicht von mir, sondern vom Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi. Und ich kann dem nur beipflichten.

Innsbruck ist im Moment orange, Innsbruck-Land (noch?) gelb. Allerdings sind alle Schulen - auch in Innsbruck Stadt - immer noch als gelb geführt, da ansonsten die Schüler ab der 9. Schulstufe bereits bei Schulbeginn wieder im Homeschooling wären.

Was mir positiv aufgefallen ist: Als ich heute Morgen meine Tochter beim Gymnasium Adolf-Pichler-Platz abgeliefert habe, hat Direktor Nigg persönlich vor der Schule bei jedem einzelnen Schüler kontrolliert, ob die aktuellen Bestimmungen bei Mund-Nasen-Schutz eingehalten wurden. Danke!

"Musste das denn sein..."

Am 24. August habe ich gepostet: "Wir haben es geschafft! Auch in Oberperfuss haben wir wieder einen COVID-Fall! Hat das echt sein müssen!".

Positiv gemeldete Personen unterliegen dem Datenschutz und werden nicht an uns Ärzte gemeldet. Das heißt, ich wusste auch in diesem Fall nicht, wer der oder die Betroffene ist. Ich wollte somit keineswegs diese eine Person verunglimpfen oder beschimpfen, sondern meine Unzufriedenheit im Umgang mit COVID in letzter Zeit generell ausdrücken. 

Wenn sich nun gezielt diese eine Person betroffen fühlt, so stehe ich nicht an, mich hier ganz offiziell zu entschuldigen! Ich wollte keiner Einzelperson zu nahe treten, geschweige denn stigmatisieren. Ich wollte damit lediglich ausdrücken, dass die in letzer Zeit vorherrschende kollektive Unvernunft DAS RISIKO FÜR JEDEN EINZELNEN VON UNS ERHÖHT, AN COVID ZU ERKRANKEN. Natürlich habe ich polarisiert, habe ich gezielt pointiert und provokativ geschrieben - aber niemals einer Einzelperson gegenüber sondern immer einer kollektiven Unvernunft entgegentretend.

Falsch positiv...

Immer wieder wird ja behauptet, dass etwa ein Prozent aller gemachten Tests falsch positiv seien. Wenn also bei 1000 COVID-Tests 20 positiv sind, so wären somit 10 falsch positiv und lediglich 10 tatsächlich positiv. Jeder zweite positive Test wäre also falsch positiv.

Armin Wolf hat heute auf Twitter einen sehr guten Artikel vom deutschen Magazin Spiegel.de zum immer wieder strapazierten Thema falsch positive Befunde bei der PCR gepostet:

Laut der wöchentlichen Teststatistik des Deutschen Robert Koch Instituts waren in der 28. Kalenderwoche, also vom 6. - 12. Juni, nur 2992 von insgesamt 510.551 Tests positiv. Selbst wenn kein einziger der 2992 positiven Tests von einer tatsächlich infizierten Person wäre, sondern alle Tests falsch positiv wären, so wären das nur 0,59%.

Doch die falsch positiven-Rate ist noch viel kleiner, wie ein Blick in die Teststatistiken der deutschen Bundesländer zeigt, in denen es kaum Infektionen gibt. Schleswig-Holstein beispielsweise meldete in der 23. und 24. Kalenderwoche zusammen nur 20 Neuinfektionen bei fast 29.000 durchgeführte Tests. Das entspricht einer Positivenrate von 0,069%.

In Mecklenburg-Vorpommern gab es in der Kalenderwoche 27 und 28 insgesamt fünf neue Fälle bei 19.355 Tests. Dies ergibt eine Positivenrate von lediglich 0,026 Prozent.

Fazit: es gibt bei den PCR Untersuchungen so gut wie keine falsch positiven Tests. Dieses Argument sollten wir gleich wieder streichen!

verschiedene Ansichten

In letzter Zeit gab es auch wieder vermehrt kritische Stimmen zum Thema Covid und den Maßnahmen der Regierung. In Ö1 wurde letzte Woche ein Interview mit dem Mikrobiologen Prof. DDr. Haditsch ausgestrahlt, welcher dabei - mit einer sehr eigenen Ansicht der aktuell wissenschaftlich gesicherten Kenntnisse - zu einem massiven Rundum-Schlag gegen unsere Regierung ausgeholt hat. Am meisten hat Prof. Haditsch gegen die Angst- und Panikmache seitens Gesundheitsminister und Bundeskanzler gewettert. Ich würde ihm an dieser Stelle einmal einen Ausflug ins Ausland empfehlen: TV-Spots mit der Empfehlung, beim gemeinsamen Shopping-Bummel gleich auch einen Sarg einzukaufen. "Probeweises" Testliegen" im Sarg für Maskenverweigerer, u.s.w..

Je vernünftiger wir Menschen sind, je mehr Rücksicht wir in dieser Zeit auf unsere Mitmenschen nehmen, umso weniger Angst muss unsere Regierung verbreiten. Umso weniger gesetzlich verordnete Restriktionen und Einschränkungen in unserer persönlichen Freiheit muss es geben. 

Allerdings zeigen die Zahlen das Gegenteil:

Höchstzahl an Neu-Infektionen am 27.3.2020: 992

Tiefststand an Neuinfektionen am 3.5.2020 nach dem Lockdown: 19

Erstmals wieder über 100 Neuinfektionen an einem Tag am 1.7.2020 mit 107

Heute 8.9.2020 - einschließlich einer Korrektur der Wiener Zahlen: über 500 Neuinfektionen

Meine persönlich Prognose: bei über 1000 Neuinfektionen pro Tag rückt ein Lockdown zumindest in Teilen Österreichs wieder in bedrohliche Nähe. Schaffen wir es, den Trend mit täglich steigenden Neuinfektionen mit Vernunft zu bremsen, oder sind wir wieder dumm genug, es darauf ankommen zu lassen?

Geschafft!!!

Wir haben es geschafft! Auch in Oberperfuss haben wir wieder einen Covid-Fall. Hat das echt sein müssen? Offensichtlich ja. 

Bitte bei Husten/Kurzatmigkeit/Geruchs- oder Geschmacksverlust entweder bei uns in der Praxis oder bei 1450 ANRUFEN. Niemals ohne Anmeldung in die Praxis kommen!

Falls bei uns ein COVID-positiver Patient - ohne unser Wissen - im (Vor-)Warteraum sitzt, müssen wir sämtliche Personen, die Kontakt (gleiches Zimmer) mit dem Patienten hatten, an das Land Tirol melden, welches im schlimmsten Falls auch über diese eine Quarantäne verhängen kann.

Bitte KEINESFALLS so wie eine junge Dame am Samstag ohne vorherigen Anruf mit Husten und Atemnot einfach in unsere Praxis kommen!

320

Seit heute morgen steht das COVID-Dashboard Tirol auf aktuell 320 COVID positive Personen. 41 in Innsbruck Land. Pfaffenhofen, Inzing, Götzens, Axams und seit gestern Kematen. Fällt Euch etwas auf? Es rückt wieder näher.

Auch wenn es langsam langweilig wird und ich mich wiederhole: wenn wir so unbekümmert weitermachen kommt es unweigerlich wieder zu einem Lockdown - und mit etwas Pech wieder zu einem Schließen der Schulen im Herbst. Und dann wieder der große Katzenjammer - obwohl es sich mit etwas Hirn und Vorsicht vermeiden ließe.

Deshalb auch - aus gegebenem Anlass - noch einmal ein Hinweis: beim Auftreten von COVID-typischen Symptomen (Husten mit Atemnot, Geruchs- oder Geschmacksverlust) IMMER ZUM TELEFONHÖRER greifen! Ihr könnt bei uns in der Praxis oder bei 1450 anrufen, um ZUERST einen COVID-Test zu bekommen (Seit neuestem können wir direkt im EDV-System der Leitstelle Covid-Tests einbuchen - die Durchführung der Tests läuft aber immer noch über das Rote Kreuz). BITTE NICHT MIT SYMPTOMEN OHNE ANMELDUNG IN DIE PRAXIS KOMMEN!!!

Reproduktionszahl größer 1

Leider ist die Reproduktionszahl in Österreich - und auch in Tirol - sehr konstant über 1. Im Moment ca. auf 1,3. Das bedeutet, dass ein COVID Positiver im Schnitt 1,3 weitere Menschen ansteckt. Das heißt, wir haben täglich mehr COVID-positive.

In der schlimmsten Zeit (April) hatten wir eine Reproduktionszahl von über 2. Und ich würde einmal davon ausgehen, dass es bei einem neuerlichen Erreichen dieser Zahl zumindest zu einem teilweisen neuerlichen Lockdown kommen würde. Dass zumindest in Teilen von Österreich die Schulen, die Gastronomie und vielleicht auch wieder das eine oder andere Geschäft geschlossen werden.

Gestern war der Leiter unseres Unterperfer Wohnheims kurz zu einem Kaffee bei mir zu Hause und hat folgenden bemerkenswerten Satz gesagt: "es fehlt die Rücksicht auf den Übernächsten!". Das trifft es recht gut. Menschen mit schweren Erkrankungen sowie Menschen mit nahen Angehörigen mit schweren Erkrankungen sind in den meisten Fällen eher umsichtig und rücksichtsvoll. Wenn kein gesundheitlich angeschlagener Mensch in der näheren Umgebung ist, dann ist es mit Umsicht und Rücksicht in vielen Fällen nicht mehr so weit her, weil man ja eh nix zu befürchten hat...

Am allerwenigsten kann ich die ganzen Verschwörungstheoretiker und Covidioten verstehen. Unsere Politiker hätten das alles nur erfunden, um uns zu unterdrücken und zu kontrollieren... Liebe Leute: wir nähern uns weltweit einer Million Covid-Toten. 41.000 in Großbritannien, 35.000 in Italien. Und sogar Donald Trump hat mittlerweile nach 180.000 toten US Bürgern verstanden und zugegeben, dass COVID nun doch kein Kindergeburtstag ist.

Natürlich wurden von Seiten der Politik zu Beginn dieser Krise - auf die Österreich und insbesonders das Land Tirol völlig unvorbereitet waren - vor allen auch in der Kommunikation Fehler gemacht. Es wurde von einem Horrorszenario von 100.000 Toten gesprochen. In meinem ersten Blogeinträgen bin ich von 3.000 bis schlimmstenfalls 15.000 Toten ausgegangen. Und bisher sind es erfreulicherweise erst knapp 800. Aber so, wie ich die Situation im Moment sehe, sind Appelle an die Vernunft in Österreich absolut sinnlos - es funktioniert nun mal nur mit gesetzlichen Einschränkungen und dem Erzeugen von Angst. Leider. 

zweite Welle

Wir hatten in den letzten 24 Stunden in Österreich fast 350 COVID-Neuinfektionen. Ich würde somit langsam aber sicher von einer zweiten Welle sprechen.

Und es wundert mich nicht einmal ein bisschen: in der Praxis bei uns wird Mund- und Nasenschutz verwendet. Wir lassen maximal drei Patienten ins Wartezimmer und arbeiten nur auf Termin. Wir haben Schutzglas an Schreibtischen und Anmeldung. 

Und im "echten Leben"?

Als ich am Wochenende durch den Ort gefahren bin, sind Musik und Schützen in Uniform eng aneinandergedrängt ohne Abstand oder Maske auf der Straße gestanden. Und nein - eine Uniform schützt NICHT vor Covid (gilt übrigens auch für die Feuerwehr). Bei einem riesigen Begräbnis im Ort waren hunderte von TeilnehmerInnen - teils auch in der Kirche, d.h. im geschlossenen Raum - ohne Abstand und ohne Mundschutz am Weg. Auf diesem Wege mein tiefstes Beileid an die Hinterbliebenen dieser Tragödie! Und es ist natürlich nicht Aufgabe der Hinterbliebenen, sich um COVID-Regeln zu kümmern. Allerdings wäre es Aufgabe der Gemeindeführung, hier für Vernunft und Befolgung der gesetzlichen Vorgaben zu sorgen, anstatt auf Biegen und Brechen teilzunehmen. 

Ob ich zornig bin? Ja! Es ist nur eine Frage der Zeit - einer vermutlich sehr kurzen Zeit - bis wir in unserem Ort wieder Covid positive Fälle haben. Und eine Frage der Zeit, bis es wieder COVID-Tote in Tirol geben wird. 

beim Tanzen ...

Viele Experten haben zu Beginn der COVID-Pandemie nicht vor einer zweiten Welle gewarnt, sondern haben das ganze "the hammer and the dance" genannt. Der Hammer war die erste Welle - einschließlich komplettem Lockdown. Und nun sind wir beim Tanzen. Im Moment eher schlecht wie recht. Mit täglichen nachgewiesenen Neu-Infektionen knapp unter 200 in Österreich. Mit einer Reproduktionszahl größer eins. Das heißt, es gibt wieder täglich mehr und mehr nachgewiesen COVID-positive Menschen in Österreich. Irgendwie mangelt es an Bewusstsein, dass eine COVID-19 Erkrankung kein Kindergeburtstag ist. Beginnend beim jungen M-Preis-Mitarbeiter, der beim durch die Gegend Niesen in der Arbeit seinen Mund-Nasenschutz fröhlich am Kinn trägt und auch durch explizite Aufforderung nicht dazu zu bewegen ist, diesen seiner eigentlichen Bestimmung nach über Mund und Nase zu ziehen. Und es setzt sich beim dringenden Bedürfnis fort, in größeren Gruppen ohne jegliche Schutzmaßnahmen gemeinsam am Abend abzufeiern.

Wenn wir es nicht schaffen sollten, den im Moment sichtbaren Trend in nächster Zeit wieder umzukehren, wird der - auch wirtschaftliche Schaden - nochmals erheblich größer werden. Ich bin wirklich neugierig, ob unsere Kinder im Herbst wieder ganz normal in die Schule gehen. Wann Krankenhäuser wieder uneingeschränkt Besuche zulassen werden. Und ob es in Pflegeheimen wieder zu einer Einschränkung der Besuchsmöglichkeiten kommen wird.

Auf wessen Kosten geht also der ganze Spaß im Urlaub, beim Ausgehen und beim Feiern, den wir uns so partout nicht nehmen lassen wollen? Auf Kosten der Schwächsten unter uns: Ältere, Kranke, Hilfsbedürftige und Kinder.