Warten...

Wie einige aus eigener Erfahrung - oder auch aus der Tiroler Tageszeitung - wissen, heißt es in den Screening-Straßen im Moment warten, warten, warten, ...

Nachdem auch wir nun leider einen positiven Fall im Wohnheim Unterperfuss haben, haben wir selbst erlebt, wie überlastet und überfordert die zuständige Bezirkshauptmannschaft Innsbruck Land mit dem Contact-Tracing und der Organisation der Tests ist. Ohne entsprechende Eigeninitiative im Wohnheim hätte hier kaum etwas funktioniert.

Allerdings gibt es hier zwei kleine Lichtblicke:

Wir haben - unter anderem im Zuge des positiven Bewohners in unserem Wohnheim - unsere neuen COVID-Antigen Schnelltests der Firma Abbott getestet: es wurde sowohl der positive Fall wie auch alle negativen Kontaktpersonen zu 100% richtig erkannt (alle Schnelltests wurden mit PCR nachkontrolliert).

Weiters wurde heute in einer Aussendung der Ärztekammer folgendes angekündigt: "laut Informationen aus dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz steht eine Bekanntmachung der Verordnung betreffend nähere Bestimmungen über die Durchführung von COVID-19-Tests im niedergelassenen Bereich kurz bevor". Wenn das endlich durch ist, können wir niedergelassenen Ärzte (zumindest die, die wollen) die Screening-Teams unterstützen und entlasten. 

ab sofort: Schnelltests!

Gestern sind die ersten beiden Packungen mit insgesamt 50 COVID-Schnelltests der Fa. Abbott eingetroffen - und stehen ab sofort für unsere Patienten zur Verfügung! (Kosten 10 Euro pro Test, keine Kassenleistung)

Was kann der Schnelltest?

Der Schnelltest funktioniert umso besser, je mehr Virus vorhanden ist, d.h. umso "kränker" jemand ist. Der Hersteller (Fa. Abbott) behauptet, dass der Test bei Personen mit einer hohen "Viruslast" (CT-Wert <=33) in über 98% ein richtiges Resultat ergibt. In einem Telefonat mit der Virologie in Wien (Doz. Redlberger-Fritz) wird dort von einer Trefferquote von 80% bei an COVID-erkrankten Personen ausgegangen. 

Was der Schnelltest nicht kann:

Der Schnelltest ist zwar in Österreich nach dem Medizinproduktegesetz zugelassen, die "Validierung" durch die Behörde (AGES) läuft aber noch. Das heißt, der Schnelltest ist KEIN offizieller Ersatz für die PCR. Somit können KEINE Atteste (z.B. für Auslandsreisen, Behörden, Arbeitgeber, ...) anhand des Schnelltests ausgestellt werden! Da die Genauigkeit (Sensitivität) des Schnelltests bei einer nur geringen Viruslast, d.h. beim asymptomatischen Patienten sinkt, ist der Schnelltest als "Screening" bei gesunden Personen nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

Wir werden in nächster Zeit bei Personen, bei denen wir den Schnelltest benutzen, gleichzeitig eine Probe an die Virologie Wien weiterleiten, wo zusätzlich eine (kostenlose) PCR gemacht wird. Auf diese Weise können wir uns von der Genauigkeit des Tests noch einmal ein Bild machen. 

Stabilität?

Wir hatten in den letzten 24 Stunden den zweithöchsten Wert an Neuinfektionen, den wir im Laufe dieser Pandemie je hatten. Allerdings ist der Wert in den letzten Tagen ziemlich stabil, die Lage scheint weitgehend unter Kontrolle. Einen deutlichen Anstieg gab es erwartungsgemäß bei den Krankenhausaufnahmen: es sind mittlerweile knapp 500 Menschen in Österreich wegen COVID im Krankenhaus, davon 90 auf Intensivstationen. Tendenz: steigend. 

Bezüglich den COVID Tests in den Arztpraxen, die das Parlament ja vor gut einer Woche beschlossen hat, gibt es auch für uns keinerlei Informationen. Bin schon gespannt, ab wann sich da wirklich etwas tut. Die von uns bestellten COVID-Schnelltests der Fa. Abbott sollten allerdings laut Lieferfirma noch diese Woche bei und eintreffen.

Katzenjammer

Leider werden jetzt die ersten Konsequenzen des - von mir in den letzten Blogs immer wieder kritisierten - Verhaltens der letzten Wochen ersichtlich:

Deutschland hat - so mir nichts dir nichts - eine Reisewarnung über Tirol verhängt. Wenn wir das vor der Wintersaison nicht gemeinsam in den Griff bekommen, wird es eine ganze Menge Arbeitslose in Tirol geben. Im Tourismus und in allen davon abhängigen Branchen wie Bauwirtschaft, Handel, Handwerk und so weiter.

Vielleicht begreift es jetzt auch die "Covid ist ja eh harmlos, alle Einschränkungen sind überzogen" Fraktion auf Facebook, wenn es plötzlich um den eigenen Job geht. Hoffentlich!

Contact-Tracing & Testung

Das Contact-Tracing läuft im Moment leider sehr schleppend:

Wenn bei uns im Kindergarten ein Kind positiv getestet wird, sieht das im Moment so aus:

Donnerstag - Kind erkrankt

Freitag - Kind wird getestet

Sonntag - Testergebnis positiv

Montag Nachmittag - BH beginnt zu reagieren

Dienstag (heute) - die anderen Kinder der Gruppe sollen getestet werden

Ergebnis Donnerstag?

Eine Woche ist bei einem Fall im Kindergarten einfach zu lang. Inzwischen können eventuell andere infektiöse Kinder aus der Gruppe ihre Eltern anstecken, welche inzwischen aber noch (z.B. als Lehrer!) weiterarbeiten müssen. Und nachdem völlig unklar ist, woher die Infektion eigentlich stammt, läuft der/die ursprüngliche Infektionsherd nach wie vor durch die Gegend, ohne überhaupt zu wissen, dass er/sie andere ansteckt.

Allerdings ist eine bessere Lösung in Sicht: morgen Mittwoch soll es laut Medienberichten eine Sitzung im Nationalrat geben, bei der beschlossen werden soll, dass wir Hausärzte in Zukunft auf Krankenkassen-Kosten testen dürfen. Und für alle, die ganz schnell eine Orientierungshilfe brauchen, haben wir für unsere Praxis die ersten 50 Covid-Antigen Schnelltests (Ergebnis in 15 Minuten) bestellt und diese sind voraussichtlich ab kommender Woche verfügbar.

Neue Schnelltests

Seit kurzem werden nun die neuen Antigen-Schnelltests für uns Ärzte angeboten. Das Ergebnis, ob jemand Covid-positiv ist oder nicht, liegt in 15 Minuten vor.

Grundsätzlich denke ich, dass diese neuen Tests - im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Antikörper-Schnelltests - eine gute Sache sind. Es gibt ausreichend Publikationen, die besagen, dass ein binnen 15 Minuten verfügbarer, im Gegenzug aber etwas ungenauerer Test, in der aktuellen Situation wertvoller ist, als ein möglichst genauer Test, dessen Ergebnis aber derzeit mit 2-4 Tagen Verspätung eintrifft.

Die Fa. Abbott bietet einen Schnelltest an, der insgesamt bei 93% aller Infizierten richtig liegt. Bei Menschen mit hohen Virus-Mengen (sogenannter CT-Value <= 33) stimmt der Test in über 98% der Fälle. Allerdings sind das die Angaben des Herstellers, es gibt noch keine offizielle Freigabe der österreichischen Behörden. Gesunde Patienten werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% als richtig gesund eingestuft. 

Wir werden uns diesen Test voraussichtlich demnächst besorgen, müssen aber klarstellen, dass wir - solange es keine Freigabe durch die Behörden gibt - für falsch negative Resultate, d.h. "übersehene" Infektionen keinerlei Haftung übernehmen können. Die Kosten für einen Test liegen voraussichtlich bei 10 bis 15 Euro.

Wie geht´s weiter?

Ich tu mich im Moment zugegeben echt schwer, abzuschätzen wie es weitergeht.

Einerseits haben wir in Relation zu den Infektionszahlen wirklich deutlich weniger COVID-Kranke in Krankenhäusern und vor allem auf Intensivstationen. Im April hatten wir in der schlimmsten Zeit etwa 250 Menschen auf österreichischen Intensivstationen liegen, im Moment "nur" 55. Mögliche Erklärungen sind, dass die Zahl erst im Steigen ist, dass die Therapie besser wird (ist sie definitiv), oder dass das Virus harmloser wird - was ich fast nicht glaube. Mal sehen...

Die Zahlen an Neuinfektionen machen seit dieser Woche zumindest einmal einen sehr konstanten Eindruck, d.h. die Zahl der Neuinfektionen ist zumindest recht stabil bei etwa 700 pro Tag.

Mit erweiterter Maskenpflicht und mit der Hoffnung, dass wieder etwas mehr Vernunft einkehren möge, können wir vielleicht einen zweiten Lockdown verhindern.

Eine kleine Warnung an die "Unbelehrbaren" (wobei das dann vermutlich eh nix nützt, sonst wären sie ja nicht unbelehrbar...): wer glaubt, dass wir im Moment ohne Einschränkungen weitermachen können, weiter ohne Einschränkung Feiern und Ähnliches durchführen können, so mit Musik und Gesang, wo sich die Chöre - im Idealfall in geschlossenen Räumen oder Kirchen - die Viren gegenseitig um die Ohren singen (und spucken), wird eine andere Realität erleben. Israel hat den zweiten Lockdown, Großbritannien steht kurz vor dem zweiten Lockdown. Wem seine Mitmenschen und auch unsere Wirtschaft, unsere Existenzgrundlage - und damit auch der eigene Job! - wirklich völlig egal sind, der möge bitte so weitermachen...

"Leute, reißt euch am Riemen!"

"Leute, reißt euch am Riemen!"

Nein, dieser Satz stammt nicht von mir, sondern vom Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi. Und ich kann dem nur beipflichten.

Innsbruck ist im Moment orange, Innsbruck-Land (noch?) gelb. Allerdings sind alle Schulen - auch in Innsbruck Stadt - immer noch als gelb geführt, da ansonsten die Schüler ab der 9. Schulstufe bereits bei Schulbeginn wieder im Homeschooling wären.

Was mir positiv aufgefallen ist: Als ich heute Morgen meine Tochter beim Gymnasium Adolf-Pichler-Platz abgeliefert habe, hat Direktor Nigg persönlich vor der Schule bei jedem einzelnen Schüler kontrolliert, ob die aktuellen Bestimmungen bei Mund-Nasen-Schutz eingehalten wurden. Danke!

"Musste das denn sein..."

Am 24. August habe ich gepostet: "Wir haben es geschafft! Auch in Oberperfuss haben wir wieder einen COVID-Fall! Hat das echt sein müssen!".

Positiv gemeldete Personen unterliegen dem Datenschutz und werden nicht an uns Ärzte gemeldet. Das heißt, ich wusste auch in diesem Fall nicht, wer der oder die Betroffene ist. Ich wollte somit keineswegs diese eine Person verunglimpfen oder beschimpfen, sondern meine Unzufriedenheit im Umgang mit COVID in letzter Zeit generell ausdrücken. 

Wenn sich nun gezielt diese eine Person betroffen fühlt, so stehe ich nicht an, mich hier ganz offiziell zu entschuldigen! Ich wollte keiner Einzelperson zu nahe treten, geschweige denn stigmatisieren. Ich wollte damit lediglich ausdrücken, dass die in letzer Zeit vorherrschende kollektive Unvernunft DAS RISIKO FÜR JEDEN EINZELNEN VON UNS ERHÖHT, AN COVID ZU ERKRANKEN. Natürlich habe ich polarisiert, habe ich gezielt pointiert und provokativ geschrieben - aber niemals einer Einzelperson gegenüber sondern immer einer kollektiven Unvernunft entgegentretend.

Falsch positiv...

Immer wieder wird ja behauptet, dass etwa ein Prozent aller gemachten Tests falsch positiv seien. Wenn also bei 1000 COVID-Tests 20 positiv sind, so wären somit 10 falsch positiv und lediglich 10 tatsächlich positiv. Jeder zweite positive Test wäre also falsch positiv.

Armin Wolf hat heute auf Twitter einen sehr guten Artikel vom deutschen Magazin Spiegel.de zum immer wieder strapazierten Thema falsch positive Befunde bei der PCR gepostet:

Laut der wöchentlichen Teststatistik des Deutschen Robert Koch Instituts waren in der 28. Kalenderwoche, also vom 6. - 12. Juni, nur 2992 von insgesamt 510.551 Tests positiv. Selbst wenn kein einziger der 2992 positiven Tests von einer tatsächlich infizierten Person wäre, sondern alle Tests falsch positiv wären, so wären das nur 0,59%.

Doch die falsch positiven-Rate ist noch viel kleiner, wie ein Blick in die Teststatistiken der deutschen Bundesländer zeigt, in denen es kaum Infektionen gibt. Schleswig-Holstein beispielsweise meldete in der 23. und 24. Kalenderwoche zusammen nur 20 Neuinfektionen bei fast 29.000 durchgeführte Tests. Das entspricht einer Positivenrate von 0,069%.

In Mecklenburg-Vorpommern gab es in der Kalenderwoche 27 und 28 insgesamt fünf neue Fälle bei 19.355 Tests. Dies ergibt eine Positivenrate von lediglich 0,026 Prozent.

Fazit: es gibt bei den PCR Untersuchungen so gut wie keine falsch positiven Tests. Dieses Argument sollten wir gleich wieder streichen!