Blogeintrag 5.11.: Fallzahlen

Heute wurde mir die Frage gestellt, warum es „plötzlich“ so viele positive Fälle gibt.

In meinem Blog am 17. Oktober habe ich geschrieben: 1747 bestätigte COVID-Fälle, 120 intensivpflichtige Patienten in Österreich.

In den letzten 24 Stunden hatten wir mehr als 7400 bestätigte COVID-Fälle, 383 intensivpflichtige Patienten.

Diese Zahlen zeigen uns schlicht und ergreifend, dass wir nicht nur einen gerne so genannten „Labortsunami“ produzieren, sondern dass auch die Zahl der schwer an COVID-Erkrankten Menschen deutlich ansteigt.

COVID 19 ist – auch wenn ein Teil der Bevölkerung das zumindest bisher nicht wahrhaben wollte – ansteckender als Influenza.

COVID 19 hat – wenn es auch für einen großen Teil der Bevölkerung eher harmlos ist – trotzdem bei ein paar Prozent der Erkrankten (und das sind nicht nur alte Menschen!) einen schweren Verlauf. Derzeit sind über 2500 Menschen in Österreich wegen COVID-19 im Krankenhaus, davon wie bereits erwähnt über 380 auf einer Intensivstation. Und etwa 2-3 von tausend Erkrankten sterben.

Und weil bisher von der „Aluhutfraktion“ COVID-19 als Todesursache gerne mit anderen Todesursachen verglichen wurde:

Es gibt derzeit pro Tag in Österreich im Schnitt durch

Verkehrsunfälle: 1-2 Tote

Selbstmorde: 3 Tote

COVID-19: 20-30 Tote, Tendenz deutlich steigend

Krebs: 60-70 Tote

Wenn die Notbremsung mit dem Lockdown nicht sehr plötzlich zu wirken beginnt, dann wird COVID als Ursache für tägliche Todesfälle auch noch Krebserkrankungen einholen. Und ich zweifle daran, dass der Lockdown in seiner aktuellen Form reicht.

Es wird eng ...

Wenn ich mir die Kurvenverläufe der hospitalisierten und auch der intensivpflichtigen COVID-Patienten ansehe, so beschleicht mich ein zunehmend unangenehmeres Gefühl.

In den beiden Wochen nach dem letzten Lockdown hat sich die Zahlen der COVID-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen noch verdoppelt. Falls sich dieser Verlauf der Kurve - wovon ich ausgehe - auch bei diesem (weichen) Lockdown wiederholt, dann müssen wir mit über 3000 COVID-Patienten in Krankenhäusern und mit etwa 600 COVID-Patienten auf Intensivstationen rechnen. Unser System wird das hoffentlich gerade noch irgendwie schaffen, aber nur mit massiven Einschränkungen im restlichen Krankenhausbetrieb. Das heißt, es wird in Krankenhäusern nur noch versorgt werden, was absolut akut und unumgänglich ist. Kleine "Unannehmlichkeiten" (z.B. künstliche Gelenke, Meniskusoperationen, ...) werden warten müssen.

Die laufend veröffentlichen Zahlen über verfügbare Krankenhausbetten und insbesondere Intensivbetten vernachlässigen immer den wesentlichsten Faktor: das Personal. Wir werden schon deutlich vor Erreichen der offiziell verfügbaren Betten Probleme mit dem notwendigen Personal (Pflege, Ärzte) bekommen. Insbesondere auch deshalb, weil das Arbeiten in kompletter Schutzausrüstung extrem anstrengend ist und zwangsweise ein Teil des Personals trotz aller Schutzmaßnahmen erkranken und ausfallen wird.

Zusammenfassend: wir sind spät dran. Es wird eng.

 

 

Patientenorganisation COVID

Der heutige Blogeintrag richtet sich in erster Linie an unsere eigenen Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich stehen wir auch im Falle eines Lockdowns unseren Patienten für sämtliche medizinischen Probleme wie gewohnt zur Verfügung.

Da in unserer Praxis COVID-Antigen Tests durchgeführt werden, achten wir auf eine STRIKTE Trennung zwischen möglicherweise infektiösen und nicht-infektiösen Patienten. Aus diesem Grund ist das Betreten unserer Praxis ausnahmslos NUR NACH TELEFONISCHER oder ONLINE-TERMINVEREINBARUNG erlaubt (das gilt auch im Wochenend- bzw. Feiertagsdienst!).

Je nach Dringlichkeit des Anliegens bekommt JEDER Patient noch am selben Tag, allerspätestens aber binnen drei Tagen einen Termin – wenn notwendig auch außerhalb unserer regulären Öffnungszeiten.

Bitte kommen Sie PÜNKTLICH zum vereinbarten Termin!

In unserem Vorwarteraum befindet sich ein Nummerndrucker und die entsprechende Anzeige für den Nummernaufruf. Erst nach Aufruf der eigenen Nummer ist ein Eintritt zur Anmeldung EINZELN erlaubt. Wenn sich unsere Patienten weitgehend an die vereinbarten Termine halten, dürfte es hier keinerlei Wartezeiten (im Freien / vor der Praxis) geben.

Erst NACH der Anmeldung darf unser eigentlicher Warteraum benutzt werden. Nur so können wir gewährleisten, dass nicht mehr wie 2 (höchstens 3) Patienten zeitgleich in unserem gut 25 m² großen Warteraum sind. Möglicherweise ansteckende Patienten können sofort nach der Anmeldung in einem entsprechenden Behandlungsraum separiert werden. Der Luftaustausch im Warteraum erfolgt wie in der gesamten Praxis über eine großzügig dimensionierte mechanische Lüftungsanlage.

Trotz Doppelbesetzung an unserer Anmeldung zu den Stoßzeiten kommt es immer wieder zu Engpässen am Telefon. Aus diesem Grund sind bis auf Weiteres telefonisch lediglich Terminvereinbarungen (bzw. das Vereinbaren eines Rückrufes durch einen Arzt) oder – nun wieder neu – telefonische Krankmeldungen möglich.

Wir bitten um Verständnis, dass es uns NICHT möglich ist, Rezeptanforderungen telefonisch entgegenzunehmen. Rezepte können (im Idealfall) per E-Mail angefordert werden (l), alternativ befindet sich ein Briefkasten vor der Praxis, in welchem Rezeptanforderungen schriftlich abgegeben werden können. Die entsprechenden Rezepte werden über die elektronische Gesundheitsakte zur Abholung in jeder beliebigen Apotheke bereitgestellt. Falls eine schriftliche Rezeptanforderung nicht möglich sein sollte, können wir in Ausnahmefällen einen Rückruf außerhalb unserer Ordinationszeiten anbieten.

Wir hoffen durch diese Maßnahmen auch in COVID-Zeiten eine reibungslose Versorgung unserer Patienten gewährleisten zu können!

Dr. Alfred Doblinger

Vertretungsärztin Dr. Nadja Feuerstein

Turnusarzt Dr. Philipp Steidl

Prophylaxe verboten?

In der Medizin haben wir ein Lieblingsthema: Prophylaxe.

Wir machen Zahnprophylaxe. Wir machen prophylaktisch unsere Vorsorgeuntersuchungen und erstaunlich viele von uns lassen sich ab dem 50. Lebensjahr prophylaktisch in einer kurzen Narkose einen gut ein Meter langen Schlauch im Sinne einer Vorsorge-Darmspiegelung in den Allerwertesten stecken. In der Hoffnung, dass diese ganzen Maßnahmen etwas bringen mögen. Sicher wissen tut das aber keiner von uns. In Wirklichkeit haben sich die meisten von uns den blöden Schlauch umsonst (nicht im Sinne von gratis, sondern im Sinne von "hätte ich ja gar nicht gebraucht") reinstecken lassen, ein paar wenige profitieren aber davon. Prophylaxe eben. 

Und nun haben wir es in unserer Gesellschaft plötzlich mit einem Virus zu tun, von dem wir in letzter Konsequenz nicht wissen, ob es unserer Gesellschaft, aber auch dem Leben jedes Einzelnen von uns nun wirklich massiv schaden wird oder nicht. 

Wenn wir nun - bevor wir die vollen Konsequenzen ausprobiert haben - prophylaktisch einen größeren Schaden verhindern wollen, dann geht das hier nicht mehr. Weil jegliche Prophylaxe-Maßnahme gegen eine Pandemie zwangsweise in irgendeiner Form die persönliche Freiheit einschränkt. Und eine prophylaktische Beschränkung unserer Freiheit ist nun einmal von Gesetzes wegen nicht möglich - wie uns die fast täglich eintrudelnden Urteile des Verfassungsgerichtshofs betreffend die bisherigen Maßnahmen gegen die Pandemie zeigen. 

Ich frage mich somit

1) wozu habe ich mir das mit der Darmspiegelung vor einem Jahr angetan und

2) wieviel an Kollateralschäden (abgesagte Operationen, verschleppte Krebsdiagnosen, unbehandelte Herzinfarkte,...) und auch an COVID-19 verstorbene Mitmenschen werden wir in Kauf nehmen, weil auf eine Prophylaxe im Sinne von gesetzlichen Einschränkungen vor lauter Angst der Politik vor der Stimmung in der Bevölkerung so (zu) lange verzichtet wird?

Niemand weiß es. Wir werden es erst wissen, wenn wir es darauf ankommen lassen.

Lockdown in Österreich?

Wie bereits vor einer Woche in meinem Blog befürchtet, steuern wir unweigerlich auf einen Lockdown zu. Die Infektionszahlen steigen täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten in Krankenhäusern steigt täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten auf Intensivstationen steigt täglich. Die Zahl der an/mit COVID Verstorbenen steigt täglich. 

Alle bisher seitens der Regierung (wenn auch teils halbherzig - siehe COVID Tests bei Hausärzten) getroffenen Maßnahmen ändern bisher gar nichts. Die Zahlen steigen, Krankenhäuser beginnen bereits wieder Operationen zu verschieben, Herzkatheter werden statt mit 2 Tagen KrankenhausAufenthalt nun wenn möglich tagesklinisch durchgeführt.

Deutschland hat ab kommenden Montag einen partiellen Lockdown. Meine persönliche Prognose: wir werden mitmachen. Einzig die Frage nach dem Schulstart nach den Ferien ist offen. Einerseits wird mit aller Gewalt versucht, Schulschließungen zu vermeiden. Andererseits ist bereits vor den Ferien - zumindest in den mir bekannten Schulen (den Schulen meiner Kinder) - die Zahl der COVID-19 positiven Schüler und Lehrer eine nicht ganz unerhebliche gewesen. Soweit ich mitbekommen habe, soll versucht werden, dieses Problem mit COVID-Antigen Schnelltests bei Schülern etwas zu entschärfen. 

Wenn das aber "gleich gut" (nämlich gar nicht!) funktioniert, wie die Versorgung von Pflegeheimen oder Arztpraxen mit COVID-Antigen Schnelltests, dann wird uns auch diese Idee nicht weit bringen...

Politikchaos bei Ärzte-Schnelltests

Letzten Montag wurde bekanntgegeben, dass niedergelassene Ärzte in den Praxen ab Donnerstag endlich auf Kosten der Krankenkassen COVID-Schnelltests durchführen dürfen.

Wir brauchen dazu nun zwei Voraussetzungen:

1) Grünes Licht von den Sozialversicherungen mit einer Verrechnungsposition

2) Tests

Bis gestern Abend, also über eine Woche nach Veröffentlichung dieser Verordnung durch den Gesundheitsminister, gab es seitens der Sozialversicherungen immer noch keine Verrechnungsposition für uns Ärzte. Obwohl das Honorar für die Tests bereits in der Bundesverordnung fixiert ist. Und obwohl die Sozialversicherungen die gesamten Kosten vom Bund zurückerstattet bekommen.

Da weder von Politik noch von Sozialversicherung kommuniziert wurde, ob wir Ärzte nun Tests zur Verfügung gestellt bekommen oder ob wir selber Tests kaufen sollen (wir sprechen hier sofort einmal von ein paar tausend Euro) hat nun ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte auf "grünes Licht" zum Testen durch Sozialversicherung und Ärztekammer gewartet. Währenddessen haben nun unsere Nachbarländer, unsere Bundesländer und auch die Wirtschaftskammer (für ihre Mitglieder!) begonnen, COVID-Antigen-Schnelltests in großem Stil aufzukaufen. Ich habe gestern versucht, bei irgendeinem der drei gängigsten Hersteller Tests nachzukaufen. Lieferzeit Roche: keine Auskunft. Lieferzeit Abbott: mindestens 3 Wochen (es sind noch Teile meiner Bestellung von letzter Woche offen), Lieferzeit Nal-von-minden: bei Bestellung von 10 Packungen (20 Tests pro Packung) bekommen ich in den nächsten beiden Wochen vielleicht die eine oder andere Packung geliefert.

Aufgrund der massiven Verzögerungen zuerst bei der Veröffentlichung der Bundesverordnung und nun durch die Sozialversicherungen (Verrechnung) in Bezug auf COVID Tests bei Ärzten kommen wir nun in eine Situation, wo die Schnelltests vergriffen und für unsere Praxen gar nicht mehr verfügbar sind! Die eigentlich sehr gute und richtige Idee, dass in den Arztpraxen getestet wird, hat sich aufgrund mangelnder Kommunikation, massiver Verzögerung bei Politik und Sozialversicherungen und aufgrund eines ausgeprägten Desinteresses seitens der Ärztekammer - wie zu befürchten  war - bereits erledigt, bevor es noch überhaupt begonnen hat. 

Ärztekammer & Covid

Heute geht es in meinem Blog einmal um ganz etwas anderes.

Ich habe soeben auf Salzburg24.at einen Artikel gelesen, wonach die Österreichische Ärztekammer gegen die aktuelle Regelung mit den Schnelltests in Österreich sei.

Laut Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer seien COVID Schnelltests für Wiener Allgemeinmediziner in deren Praxen nicht praktikabel. Und der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte (ein pensionierter Allgemeinmediziner aus Tirol) ist gegen die "Zusatzbelastung der Hausärzte". Wir würden nun überrannt werden, und Tests seien ja auch noch keine da. 

Ich distanziere mich hiermit in meinem Namen und im Namen vieler meiner sehr engagierten Kollegen offiziell von dieser "meiner" Ärztekammer!

Ersten besteht Österreich nur zu einem verhältnismäßig kleinen Teil aus Wien. Bitte an meine Standesvertretung, dies zur Kenntnis zu nehmen!

Und außerdem kämpft die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin seit Monaten mit aller Kraft dafür, dass wir endlich in den Praxen testen dürfen! In Salzburg und Vorarlberg testen Hausärzte bereits seit zwei Wochen auf Kassenkosten. Ein beachtlicher Teil der Tiroler Hausärzte verwendet - so wie wir - bereits Schnelltests (nur hat diese bisher der Patient selber bezahlt). Und wir sehen es als unsere Verantwortung und sind stolz darauf, für unsere Patienten da zu sein. Es entspricht nicht unserem Berufsverständnis, kranke Menschen an eine Hotline oder in eine Screeningstraße abzuschieben, anstatt sie in unseren Ordinationen zu versorgen. 

Natürlich ist es ein organisatorischer Aufwand, potentiell infektiöse Patienten von den anderen Patienten fern zu halten. Aber es ist machbar. Und ganz nebenbei: es ist nur eine - von uns dringend gewünschte - freiwillige Möglichkeit. Kein Kollege wird gezwungen, mitzumachen. 

Covid vs. Influenza

Auf einen warnenden Blog auf Facebook bekommt man gerne Zahlen präsentiert, welche zeigen sollten, dass COVID ja ohnehin nur halb so schlimm sei. Zum Beispiel die Gegenüberstellung von jährlich über 36.000 Toten durch Herz-Kreislauferkrankungen und den bisher erst etwas über 900 an (oder mit) COVID Verstorbenen.

Und dann muss auch noch recht gern der Vergleich mit den jährlich zwischen 1000 und 4000 Grippetoten in Österreich herhalten. Stimmt - auch dagegen sind unsere gut 900 COVID-Toten verkraftbar.

So what ... würde meine Tochter nun sagen. Wo liegt das Problem. Schlicht und einfach daran, dass wir bisher in Österreich - im Gegensatz zu Italien, England oder auch Belgien - ja noch nie ausprobiert haben, was passieren würde, wenn wir COVID einfach ignorieren würden. 

Na gut, bleiben wir bei dem Vergleich mit der jährlichen Influenza - was können wir inzwischen als einigermaßen gesichert betrachten?

Was ist infektiöser? Influenza oder Covid? Korrekt, Covid hat hier ein wenig die Nase vorn (ca. 1:2 Influenza, 1:3 COVID).

Was tötet von allen Infizierten mehr Menschen? Influenza oder Covid? Influenza hat eine Sterblichkeit von etwa 0,1 bis 0,2%. Covid zumindest 0,3 bis 0,5% (Von allen in Österreich positiv Getesteten sind es 1,3%, aber es gibt ja zum Glück eine Dunkelziffer).

Und zu guter letzt gibt es gegen Influenza eine Impfung, mit der wir zumindest knapp 10% der Bevölkerung mit Schwerpunkt ältere Personen schützen.

Wenn wir also bei einer weniger infektiösen, mindesten um die Hälfte weniger tödlichen Erkrankung, gegen die auch noch Teile der Bevölkerung geimpft sind, jährlich zwischen 1000 und 4000 Tote habe, wie viele Tote habe ich dann, wenn sich COVID einfach so ausbreiten darf? Echt jetzt? Ihr wollt das ausprobieren?

 

 

rundherum...

Wenn ich mir so die Meinungen auf Facebook durchlese oder auch mit manchen Menschen rede, dann habe ich den Eindruck, diese Menschen glauben, dass COVID ein rein österreichischen Problem ist. Der Landeshauptmann ist schuld, der Bundeskanzler ist schuld, der Gesundheitsminister ist schuld.

Ein kleiner Blick über unsere Grenzen hinaus zeigt ein anderes Bild: auf der Europa-Ampel sind eigentlich nur noch Teile Deutschlands und Österreichs nicht rot oder dunkelrot (wobei Innsbruck/Innsbruck Land leider auch rot ist). Das tschechische Militär baut in Prag ein Feldkrankenhaus, weil die vorhandenen Krankenhausbetten nicht mehr reichen. In Slowenien wird, weil die Zahlen explodieren, mit dem Contact-Tracing aufgehört und nur noch verzweifelt versucht, Krankenhäuser und Altersheime zu schützen.

Sind daran auch der Tiroler Landeshauptmann oder der österreichische Bundeskanzler Schuld? Warum braucht dann Tschechien ein zusätzliches Feldkrankenhaus wie im Krieg, wenn an COVID ohnehin keiner erkrankt und wir mit den PCR Tests eh nur sinnlose positive Fälle produzieren?

Wir stecken in einer Pandemie, in einer für uns bisher unvorstellbaren Situation. Ein Virus, das etwa zwei- bis dreimal so tödlich und zweimal so ansteckend wie Influenza ist - aber nur, solange die medizinische Versorgung funktioniert. Ein Virus, das bis jetzt weltweit gut 1,1 Millionen Menschen getötet hat. Und unsere einzigen Mechanismen sind: alles klein zu reden (das Virus tut eh nichts), politisch Verantwortliche zu suchen (die wollen mehr Macht über uns, die wollen die Wirtschaft kaputt machen) oder politisches Kleingeld zu schlagen. Lediglich nützen wird uns das Ganze nichts. Nicht die österreichische Politik ist Schuld daran, dass gerade die weltweite Wirtschaft in einer enormen Krise steckt, der Tourismus (nicht nur in Österreich!) um sein Überleben kämpft und die Schüler in ganz Europa unter Einschränkungen im Unterricht leiden, sondern dieses verflixte Virus! Wenn wir auch nur einigermaßen heil aus dieser Krise herauskommen wollen, dann brauchen wir Solidarität. Dann müssen wir wieder lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Vielleicht auch einmal auf den eigenen Spaß verzichten. Vielleicht einmal mit dem politischen Gegner an einem Strang ziehen. Wir hatten die Situation im Sommer perfekt im Griff - und kaum wurden die Maßnahmen gelockert, haben wir es wieder verbockt.

Wir werden zumindest bis Sommer 2021 kein "normales" Leben, wie wir es gewohnt waren, führen können. 

Was mir dabei am meisten Angst macht, sind die vielen Mitmenschen, die das nicht verstehen wollen. Die der Meinung sind, dass man gegen COVID aufstehen und auf die Straße gehen muss. Die mit ihrem Unverständnis, ihrem Egoismus und ihrer Dummheit erst recht dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft weiter destabilisiert und gespalten wird. 

2317


In den letzten 24 Stunden hatten wir 1747 bestätigte Covid-Fälle (2317 wurden bei Erstellung dieses Blogs heute Morgen unter anderem vom Kurier gemeldet, wurden mittlerweile aber korrigiert). Die Sache beginnt (trotzdem) langsam aus dem Ruder zu laufen.

Die Zahl der intensivpflichtigen COVID Patienten hat sich mit einem Anstieg von 55 auf über 120 in den letzten 4 Wochen mehr als verdoppelt.

Die Kapazitäten in Tirol sind überhaupt nicht mehr berauschend (Zahlen AGES, Stand 17.10.)

COVID-Patienten auf Normalstation: 55. Verfügbare weitere Betten für COVID-Fälle: 30. (Ruft mal im KH Hall an, ob ein Platz für einen COVID-Patienten aus dem Pflegeheim frei ist ... aber nur, wenn ihr gute Nerven habt.)

COVID-Patienten auf Intensivstation: 8. Verfügbare weitere Intensivplätze für COVID-Patienten: 10.

Das heißt, wenn es in Tirol die nächsten 4 Wochen gleich weitergeht wie in den letzten 4 Wochen sind wir am Limit. Dann droht uns ein Versorgungsengpass, der einerseits mehr Tote unter den COVID-Patienten, andererseits aber auch massive Kollateralschäden bei allen anderen medizinisch dringlichen Fällen mit sich bringen wird. Fehlende Kapazitäten bei Herzinfarkten oder nach Unfällen, tödliche Verzögerungen bei lebenswichtigen Therapien und Operationen.

Meine private Prognose: ab den Herbstferien (24.10) kommt es zu einem zunehmend Lockdown-ähnlichen Zustand (egal wie es genannt wird). Die Herbstferien werden "verlängert", d.h. die Schulen werden nach den Herbstferien zumindest nicht in der bestehenden Form einfach wieder geöffnet werden. Und nein, die Schüler können gar nichts dafür. Sie sind nur Opfer. Aber nicht von der Politik, sondern von all denen, die COVID nicht ernst nehmen und sämtliche Sicherheitsempfehlungen ignorieren - auch bekannt als COVIDIOTEN!

ROT

Jetzt ist seit gestern unser Bezirk Innsbruck Land tatsächlich ROT. Obwohl das ja ehrlich gesagt - mit Ausnahme für Schüler der Oberstufe - nicht viel ändert.

Und wenn ich so mit meinen Kollegen, Patienten und Bekannten rede, gehen die Meinungen, wie schlimm das nun alles sei, ziemlich auseinander.

Ich tu mir im Moment selber echt schwer, die Situation einzuschätzen.

Einerseits sind wir mittlerweile bei über 1500 "Neuinfektionen" (zumindest positiven Tests) täglich angelangt, andererseits haben wir "nur" etwas über 110 COVID-Patienten in ganz Österreich auf einer Intensivstation - und noch etwa 600 verfügbare Intensivplätze.

Im Frühjahr hatten wir bei wesentlich weniger positiv getesteten Personen wesentlich mehr intensivpflichtige Covid-Patienten. Was ist passiert? Ist COVID-19 harmloser geworden?

Ich denke nicht. Ich vermute (wissen tut es ohnehin niemand), dass es daran liegt, dass wir in erster Linie mehr testen. Wir hatten im Frühjahr eine doch ganz passable Dunkelziffer, d.h. vermutlich sind irgendwo zwischen 3 und 6 x so viele Menschen mit COVID infiziert gewesen als tatsächlich positiv getestet worden sind. Nachdem die Anzahl der durchgeführten Tests mittlerweile recht deutlich angestiegen ist, wird sich die Dunkelziffer vermutlich verkleinert haben. Wir hatten vermutlich im Frühjahr in Wirklichkeit mehr COVID-Fälle als jetzt. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass sich die Altersstruktur der betroffenen Patienten geändert hat (mehr junge, gesunde Menschen) und wir auch noch bei der Behandlung von COVID ein wenig dazugelernt haben (Cortison!), dann reicht mir das als Erklärung für die verhältnismäßig wenigen Patienten im Krankenhaus.

Wenn die Zahlen aber in diesem - zugegebenermaßen eher gemütlichen - Tempo weiter ansteigen, kommen wir trotzdem über kurz oder lang an die Grenzen unserer medizinischen Kapazitäten. Und falls wir die erreichen, dann geht es mit den Zahlen der COVID-Toten ziemlich schlagartig nach oben.

Natürlich - sind alles nur Vermutungen. Aber ganz ehrlich: ich möchte es nicht ausprobieren!