Lockdown in Österreich?

Wie bereits vor einer Woche in meinem Blog befürchtet, steuern wir unweigerlich auf einen Lockdown zu. Die Infektionszahlen steigen täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten in Krankenhäusern steigt täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten auf Intensivstationen steigt täglich. Die Zahl der an/mit COVID Verstorbenen steigt täglich. 

Alle bisher seitens der Regierung (wenn auch teils halbherzig - siehe COVID Tests bei Hausärzten) getroffenen Maßnahmen ändern bisher gar nichts. Die Zahlen steigen, Krankenhäuser beginnen bereits wieder Operationen zu verschieben, Herzkatheter werden statt mit 2 Tagen KrankenhausAufenthalt nun wenn möglich tagesklinisch durchgeführt.

Deutschland hat ab kommenden Montag einen partiellen Lockdown. Meine persönliche Prognose: wir werden mitmachen. Einzig die Frage nach dem Schulstart nach den Ferien ist offen. Einerseits wird mit aller Gewalt versucht, Schulschließungen zu vermeiden. Andererseits ist bereits vor den Ferien - zumindest in den mir bekannten Schulen (den Schulen meiner Kinder) - die Zahl der COVID-19 positiven Schüler und Lehrer eine nicht ganz unerhebliche gewesen. Soweit ich mitbekommen habe, soll versucht werden, dieses Problem mit COVID-Antigen Schnelltests bei Schülern etwas zu entschärfen. 

Wenn das aber "gleich gut" (nämlich gar nicht!) funktioniert, wie die Versorgung von Pflegeheimen oder Arztpraxen mit COVID-Antigen Schnelltests, dann wird uns auch diese Idee nicht weit bringen...

Politikchaos bei Ärzte-Schnelltests

Letzten Montag wurde bekanntgegeben, dass niedergelassene Ärzte in den Praxen ab Donnerstag endlich auf Kosten der Krankenkassen COVID-Schnelltests durchführen dürfen.

Wir brauchen dazu nun zwei Voraussetzungen:

1) Grünes Licht von den Sozialversicherungen mit einer Verrechnungsposition

2) Tests

Bis gestern Abend, also über eine Woche nach Veröffentlichung dieser Verordnung durch den Gesundheitsminister, gab es seitens der Sozialversicherungen immer noch keine Verrechnungsposition für uns Ärzte. Obwohl das Honorar für die Tests bereits in der Bundesverordnung fixiert ist. Und obwohl die Sozialversicherungen die gesamten Kosten vom Bund zurückerstattet bekommen.

Da weder von Politik noch von Sozialversicherung kommuniziert wurde, ob wir Ärzte nun Tests zur Verfügung gestellt bekommen oder ob wir selber Tests kaufen sollen (wir sprechen hier sofort einmal von ein paar tausend Euro) hat nun ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte auf "grünes Licht" zum Testen durch Sozialversicherung und Ärztekammer gewartet. Währenddessen haben nun unsere Nachbarländer, unsere Bundesländer und auch die Wirtschaftskammer (für ihre Mitglieder!) begonnen, COVID-Antigen-Schnelltests in großem Stil aufzukaufen. Ich habe gestern versucht, bei irgendeinem der drei gängigsten Hersteller Tests nachzukaufen. Lieferzeit Roche: keine Auskunft. Lieferzeit Abbott: mindestens 3 Wochen (es sind noch Teile meiner Bestellung von letzter Woche offen), Lieferzeit Nal-von-minden: bei Bestellung von 10 Packungen (20 Tests pro Packung) bekommen ich in den nächsten beiden Wochen vielleicht die eine oder andere Packung geliefert.

Aufgrund der massiven Verzögerungen zuerst bei der Veröffentlichung der Bundesverordnung und nun durch die Sozialversicherungen (Verrechnung) in Bezug auf COVID Tests bei Ärzten kommen wir nun in eine Situation, wo die Schnelltests vergriffen und für unsere Praxen gar nicht mehr verfügbar sind! Die eigentlich sehr gute und richtige Idee, dass in den Arztpraxen getestet wird, hat sich aufgrund mangelnder Kommunikation, massiver Verzögerung bei Politik und Sozialversicherungen und aufgrund eines ausgeprägten Desinteresses seitens der Ärztekammer - wie zu befürchten  war - bereits erledigt, bevor es noch überhaupt begonnen hat. 

Ärztekammer & Covid

Heute geht es in meinem Blog einmal um ganz etwas anderes.

Ich habe soeben auf Salzburg24.at einen Artikel gelesen, wonach die Österreichische Ärztekammer gegen die aktuelle Regelung mit den Schnelltests in Österreich sei.

Laut Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer seien COVID Schnelltests für Wiener Allgemeinmediziner in deren Praxen nicht praktikabel. Und der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte (ein pensionierter Allgemeinmediziner aus Tirol) ist gegen die "Zusatzbelastung der Hausärzte". Wir würden nun überrannt werden, und Tests seien ja auch noch keine da. 

Ich distanziere mich hiermit in meinem Namen und im Namen vieler meiner sehr engagierten Kollegen offiziell von dieser "meiner" Ärztekammer!

Ersten besteht Österreich nur zu einem verhältnismäßig kleinen Teil aus Wien. Bitte an meine Standesvertretung, dies zur Kenntnis zu nehmen!

Und außerdem kämpft die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin seit Monaten mit aller Kraft dafür, dass wir endlich in den Praxen testen dürfen! In Salzburg und Vorarlberg testen Hausärzte bereits seit zwei Wochen auf Kassenkosten. Ein beachtlicher Teil der Tiroler Hausärzte verwendet - so wie wir - bereits Schnelltests (nur hat diese bisher der Patient selber bezahlt). Und wir sehen es als unsere Verantwortung und sind stolz darauf, für unsere Patienten da zu sein. Es entspricht nicht unserem Berufsverständnis, kranke Menschen an eine Hotline oder in eine Screeningstraße abzuschieben, anstatt sie in unseren Ordinationen zu versorgen. 

Natürlich ist es ein organisatorischer Aufwand, potentiell infektiöse Patienten von den anderen Patienten fern zu halten. Aber es ist machbar. Und ganz nebenbei: es ist nur eine - von uns dringend gewünschte - freiwillige Möglichkeit. Kein Kollege wird gezwungen, mitzumachen. 

Covid vs. Influenza

Auf einen warnenden Blog auf Facebook bekommt man gerne Zahlen präsentiert, welche zeigen sollten, dass COVID ja ohnehin nur halb so schlimm sei. Zum Beispiel die Gegenüberstellung von jährlich über 36.000 Toten durch Herz-Kreislauferkrankungen und den bisher erst etwas über 900 an (oder mit) COVID Verstorbenen.

Und dann muss auch noch recht gern der Vergleich mit den jährlich zwischen 1000 und 4000 Grippetoten in Österreich herhalten. Stimmt - auch dagegen sind unsere gut 900 COVID-Toten verkraftbar.

So what ... würde meine Tochter nun sagen. Wo liegt das Problem. Schlicht und einfach daran, dass wir bisher in Österreich - im Gegensatz zu Italien, England oder auch Belgien - ja noch nie ausprobiert haben, was passieren würde, wenn wir COVID einfach ignorieren würden. 

Na gut, bleiben wir bei dem Vergleich mit der jährlichen Influenza - was können wir inzwischen als einigermaßen gesichert betrachten?

Was ist infektiöser? Influenza oder Covid? Korrekt, Covid hat hier ein wenig die Nase vorn (ca. 1:2 Influenza, 1:3 COVID).

Was tötet von allen Infizierten mehr Menschen? Influenza oder Covid? Influenza hat eine Sterblichkeit von etwa 0,1 bis 0,2%. Covid zumindest 0,3 bis 0,5% (Von allen in Österreich positiv Getesteten sind es 1,3%, aber es gibt ja zum Glück eine Dunkelziffer).

Und zu guter letzt gibt es gegen Influenza eine Impfung, mit der wir zumindest knapp 10% der Bevölkerung mit Schwerpunkt ältere Personen schützen.

Wenn wir also bei einer weniger infektiösen, mindesten um die Hälfte weniger tödlichen Erkrankung, gegen die auch noch Teile der Bevölkerung geimpft sind, jährlich zwischen 1000 und 4000 Tote habe, wie viele Tote habe ich dann, wenn sich COVID einfach so ausbreiten darf? Echt jetzt? Ihr wollt das ausprobieren?

 

 

rundherum...

Wenn ich mir so die Meinungen auf Facebook durchlese oder auch mit manchen Menschen rede, dann habe ich den Eindruck, diese Menschen glauben, dass COVID ein rein österreichischen Problem ist. Der Landeshauptmann ist schuld, der Bundeskanzler ist schuld, der Gesundheitsminister ist schuld.

Ein kleiner Blick über unsere Grenzen hinaus zeigt ein anderes Bild: auf der Europa-Ampel sind eigentlich nur noch Teile Deutschlands und Österreichs nicht rot oder dunkelrot (wobei Innsbruck/Innsbruck Land leider auch rot ist). Das tschechische Militär baut in Prag ein Feldkrankenhaus, weil die vorhandenen Krankenhausbetten nicht mehr reichen. In Slowenien wird, weil die Zahlen explodieren, mit dem Contact-Tracing aufgehört und nur noch verzweifelt versucht, Krankenhäuser und Altersheime zu schützen.

Sind daran auch der Tiroler Landeshauptmann oder der österreichische Bundeskanzler Schuld? Warum braucht dann Tschechien ein zusätzliches Feldkrankenhaus wie im Krieg, wenn an COVID ohnehin keiner erkrankt und wir mit den PCR Tests eh nur sinnlose positive Fälle produzieren?

Wir stecken in einer Pandemie, in einer für uns bisher unvorstellbaren Situation. Ein Virus, das etwa zwei- bis dreimal so tödlich und zweimal so ansteckend wie Influenza ist - aber nur, solange die medizinische Versorgung funktioniert. Ein Virus, das bis jetzt weltweit gut 1,1 Millionen Menschen getötet hat. Und unsere einzigen Mechanismen sind: alles klein zu reden (das Virus tut eh nichts), politisch Verantwortliche zu suchen (die wollen mehr Macht über uns, die wollen die Wirtschaft kaputt machen) oder politisches Kleingeld zu schlagen. Lediglich nützen wird uns das Ganze nichts. Nicht die österreichische Politik ist Schuld daran, dass gerade die weltweite Wirtschaft in einer enormen Krise steckt, der Tourismus (nicht nur in Österreich!) um sein Überleben kämpft und die Schüler in ganz Europa unter Einschränkungen im Unterricht leiden, sondern dieses verflixte Virus! Wenn wir auch nur einigermaßen heil aus dieser Krise herauskommen wollen, dann brauchen wir Solidarität. Dann müssen wir wieder lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Vielleicht auch einmal auf den eigenen Spaß verzichten. Vielleicht einmal mit dem politischen Gegner an einem Strang ziehen. Wir hatten die Situation im Sommer perfekt im Griff - und kaum wurden die Maßnahmen gelockert, haben wir es wieder verbockt.

Wir werden zumindest bis Sommer 2021 kein "normales" Leben, wie wir es gewohnt waren, führen können. 

Was mir dabei am meisten Angst macht, sind die vielen Mitmenschen, die das nicht verstehen wollen. Die der Meinung sind, dass man gegen COVID aufstehen und auf die Straße gehen muss. Die mit ihrem Unverständnis, ihrem Egoismus und ihrer Dummheit erst recht dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft weiter destabilisiert und gespalten wird. 

2317


In den letzten 24 Stunden hatten wir 1747 bestätigte Covid-Fälle (2317 wurden bei Erstellung dieses Blogs heute Morgen unter anderem vom Kurier gemeldet, wurden mittlerweile aber korrigiert). Die Sache beginnt (trotzdem) langsam aus dem Ruder zu laufen.

Die Zahl der intensivpflichtigen COVID Patienten hat sich mit einem Anstieg von 55 auf über 120 in den letzten 4 Wochen mehr als verdoppelt.

Die Kapazitäten in Tirol sind überhaupt nicht mehr berauschend (Zahlen AGES, Stand 17.10.)

COVID-Patienten auf Normalstation: 55. Verfügbare weitere Betten für COVID-Fälle: 30. (Ruft mal im KH Hall an, ob ein Platz für einen COVID-Patienten aus dem Pflegeheim frei ist ... aber nur, wenn ihr gute Nerven habt.)

COVID-Patienten auf Intensivstation: 8. Verfügbare weitere Intensivplätze für COVID-Patienten: 10.

Das heißt, wenn es in Tirol die nächsten 4 Wochen gleich weitergeht wie in den letzten 4 Wochen sind wir am Limit. Dann droht uns ein Versorgungsengpass, der einerseits mehr Tote unter den COVID-Patienten, andererseits aber auch massive Kollateralschäden bei allen anderen medizinisch dringlichen Fällen mit sich bringen wird. Fehlende Kapazitäten bei Herzinfarkten oder nach Unfällen, tödliche Verzögerungen bei lebenswichtigen Therapien und Operationen.

Meine private Prognose: ab den Herbstferien (24.10) kommt es zu einem zunehmend Lockdown-ähnlichen Zustand (egal wie es genannt wird). Die Herbstferien werden "verlängert", d.h. die Schulen werden nach den Herbstferien zumindest nicht in der bestehenden Form einfach wieder geöffnet werden. Und nein, die Schüler können gar nichts dafür. Sie sind nur Opfer. Aber nicht von der Politik, sondern von all denen, die COVID nicht ernst nehmen und sämtliche Sicherheitsempfehlungen ignorieren - auch bekannt als COVIDIOTEN!

ROT

Jetzt ist seit gestern unser Bezirk Innsbruck Land tatsächlich ROT. Obwohl das ja ehrlich gesagt - mit Ausnahme für Schüler der Oberstufe - nicht viel ändert.

Und wenn ich so mit meinen Kollegen, Patienten und Bekannten rede, gehen die Meinungen, wie schlimm das nun alles sei, ziemlich auseinander.

Ich tu mir im Moment selber echt schwer, die Situation einzuschätzen.

Einerseits sind wir mittlerweile bei über 1500 "Neuinfektionen" (zumindest positiven Tests) täglich angelangt, andererseits haben wir "nur" etwas über 110 COVID-Patienten in ganz Österreich auf einer Intensivstation - und noch etwa 600 verfügbare Intensivplätze.

Im Frühjahr hatten wir bei wesentlich weniger positiv getesteten Personen wesentlich mehr intensivpflichtige Covid-Patienten. Was ist passiert? Ist COVID-19 harmloser geworden?

Ich denke nicht. Ich vermute (wissen tut es ohnehin niemand), dass es daran liegt, dass wir in erster Linie mehr testen. Wir hatten im Frühjahr eine doch ganz passable Dunkelziffer, d.h. vermutlich sind irgendwo zwischen 3 und 6 x so viele Menschen mit COVID infiziert gewesen als tatsächlich positiv getestet worden sind. Nachdem die Anzahl der durchgeführten Tests mittlerweile recht deutlich angestiegen ist, wird sich die Dunkelziffer vermutlich verkleinert haben. Wir hatten vermutlich im Frühjahr in Wirklichkeit mehr COVID-Fälle als jetzt. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass sich die Altersstruktur der betroffenen Patienten geändert hat (mehr junge, gesunde Menschen) und wir auch noch bei der Behandlung von COVID ein wenig dazugelernt haben (Cortison!), dann reicht mir das als Erklärung für die verhältnismäßig wenigen Patienten im Krankenhaus.

Wenn die Zahlen aber in diesem - zugegebenermaßen eher gemütlichen - Tempo weiter ansteigen, kommen wir trotzdem über kurz oder lang an die Grenzen unserer medizinischen Kapazitäten. Und falls wir die erreichen, dann geht es mit den Zahlen der COVID-Toten ziemlich schlagartig nach oben.

Natürlich - sind alles nur Vermutungen. Aber ganz ehrlich: ich möchte es nicht ausprobieren!

Wohnheim und mehr...

Leider hatte vor gut einer Woche ein Bewohner des Alterswohnheims in Unterperfuss Besuch von einem - wie sich herausgestellt hat - COVID positiven Angehörigen. 

Ein erster Schnelltest (die Dinger funktionieren erstaunlich gut!) hat bestätigt, dass auch der Bewohner positiv ist. Durch das unglaublich große Engagement der Pflegedienstleitung konnten in kürzester Zeit sämtliche Bewohner und alle Mitarbeiter getestet werden. Über 120 Abstriche wurden durch das hauseigene Pflegepersonal gemacht und die Proben mit dem Privat-PKW zur Screening-Straße gebracht - somit waren wir nicht auf die (nicht verfügbaren) Ressourcen der 1450 angewiesen. 

Ergebnis: 3 Bewohner und 2 Mitarbeiter positiv. Es wurden sofort die nötigen Quarantänemaßnahmen ergriffen - und nun hoffen wir, eine weitere Ausbreitung verhindern zu können.

Angeblich waren wir das erste Wohnheim in Tirol, welches die Tests in Eigenregie durchgezogen hat. Vielleicht ja auch ein gutes Modell für die Zukunft - die Ressourcen der 1450 werden für die Tiroler Wohnheime mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht reichen. 

Wann haben wir wieder unsere alte "Normalität"?

Im medizinischen Journal "the Lancet" gibt es jetzt einen sehr spannenden Artikel: "What can we expect from first-generation COVID-19 vaccines?" 

Was können wir also wirklich von der ersten verfügbaren Generation von COVID-19 Impfstoffen erwarten? Wie es aussieht, gelingt es dem Großteil der Impfstoffe ganz gut, durch die Bildung von Antikörpern die tiefen Atemwege zu schützen. Es ist somit zu erwarten, dass die Erkrankung milder verläuft. Allerdings hat die Sache leider einen gewaltigen Haken: es werden kaum Antikörper in den oberen Atemwegen gebildet. Somit wird - im Gegensatz zu anderen Impfungen - diese Impfung kaum davor schützen, COVID-19 zu übertragen! 

Mit der Rückkehr unserer "alten Normalität", wie wir sie vor COVID-19 gewohnt waren, ist also bis Sommer 2021 mit größter Wahrscheinlichkeit leider nicht zu rechnen. Leider.

Warten...

Wie einige aus eigener Erfahrung - oder auch aus der Tiroler Tageszeitung - wissen, heißt es in den Screening-Straßen im Moment warten, warten, warten, ...

Nachdem auch wir nun leider einen positiven Fall im Wohnheim Unterperfuss haben, haben wir selbst erlebt, wie überlastet und überfordert die zuständige Bezirkshauptmannschaft Innsbruck Land mit dem Contact-Tracing und der Organisation der Tests ist. Ohne entsprechende Eigeninitiative im Wohnheim hätte hier kaum etwas funktioniert.

Allerdings gibt es hier zwei kleine Lichtblicke:

Wir haben - unter anderem im Zuge des positiven Bewohners in unserem Wohnheim - unsere neuen COVID-Antigen Schnelltests der Firma Abbott getestet: es wurde sowohl der positive Fall wie auch alle negativen Kontaktpersonen zu 100% richtig erkannt (alle Schnelltests wurden mit PCR nachkontrolliert).

Weiters wurde heute in einer Aussendung der Ärztekammer folgendes angekündigt: "laut Informationen aus dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz steht eine Bekanntmachung der Verordnung betreffend nähere Bestimmungen über die Durchführung von COVID-19-Tests im niedergelassenen Bereich kurz bevor". Wenn das endlich durch ist, können wir niedergelassenen Ärzte (zumindest die, die wollen) die Screening-Teams unterstützen und entlasten. 

ab sofort: Schnelltests!

Gestern sind die ersten beiden Packungen mit insgesamt 50 COVID-Schnelltests der Fa. Abbott eingetroffen - und stehen ab sofort für unsere Patienten zur Verfügung! (Kosten 10 Euro pro Test, keine Kassenleistung)

Was kann der Schnelltest?

Der Schnelltest funktioniert umso besser, je mehr Virus vorhanden ist, d.h. umso "kränker" jemand ist. Der Hersteller (Fa. Abbott) behauptet, dass der Test bei Personen mit einer hohen "Viruslast" (CT-Wert <=33) in über 98% ein richtiges Resultat ergibt. In einem Telefonat mit der Virologie in Wien (Doz. Redlberger-Fritz) wird dort von einer Trefferquote von 80% bei an COVID-erkrankten Personen ausgegangen. 

Was der Schnelltest nicht kann:

Der Schnelltest ist zwar in Österreich nach dem Medizinproduktegesetz zugelassen, die "Validierung" durch die Behörde (AGES) läuft aber noch. Das heißt, der Schnelltest ist KEIN offizieller Ersatz für die PCR. Somit können KEINE Atteste (z.B. für Auslandsreisen, Behörden, Arbeitgeber, ...) anhand des Schnelltests ausgestellt werden! Da die Genauigkeit (Sensitivität) des Schnelltests bei einer nur geringen Viruslast, d.h. beim asymptomatischen Patienten sinkt, ist der Schnelltest als "Screening" bei gesunden Personen nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

Wir werden in nächster Zeit bei Personen, bei denen wir den Schnelltest benutzen, gleichzeitig eine Probe an die Virologie Wien weiterleiten, wo zusätzlich eine (kostenlose) PCR gemacht wird. Auf diese Weise können wir uns von der Genauigkeit des Tests noch einmal ein Bild machen.