Blog: Lockdown

Am 29. Oktober habe ich in meinem Blog geschrieben: „Wie bereits vor einer Woche in meinem Blog befürchtet, steuern wir unweigerlich auf einen Lockdown zu.“ Nun, zwei Wochen später, ist es so weit.

Es war einfach absehbar. Und ich bin kein Experte. Kein Virologe, kein Epidemiologe, kein Mathematiker. Gut, mit ein klein wenig Statistikwissen als Pharmakologe. In erster Linie aber mit Hausverstand bewaffnet – und dieser scheint in Zeiten wie diesen ein ganz guter Berater zu sein.

Wenn die Fallzahlen beginnen, exponentiell zu steigen. Wenn in den Schulen vermehrt Klassen geschlossen werden müssen. Wenn wir in unserem kleinen Wohnheim die ersten COVID-Toten haben. Wenn die COVID-Erkrankten in unserer Praxis von Tag zu Tag mehr werden. Wenn die Zahlen der COVID-Erkrankten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen von Tag zu Tag mehr werden. Wenn das Contact-Tracing durch die Behörden de Facto gescheitert ist. Und wenn die Menschen in den Einkaufszentren weiterhin tun, als ob es COVID-19 gar nicht gäbe. Wohin soll das alles denn führen, wenn nicht zu einem kompletten Lockdown?

Es ist aber müßig, jetzt Schuldige an der Situation zu suchen. In der Bevölkerung, in der Politik, oder wo auch immer. In erster Linie muss es unser Ziel sein, uns zu überlegen, wie es nun weitergehen soll.

Ich wage wieder einmal eine Prognose. Evidenzbasis: Hausverstand. Der für nun gut 2 ½ Wochen angesetzte Lockdown ist verdammt kurz!

Wir haben mittlerweile deutlich über 500 COVID-Erkrankte auf den Intensivstationen. Von den rund 40.000 Neuinfektionen der letzten 5 Tage werden in der kommenden Woche geschätzt 400 weitere Menschen (1%) intensivmedizinische Betreuung brauchen.

Mit etwas Glück beginnen in etwa einer Woche, die Zahlen der Neuinfektionen deutlich zu sinken. Es werden nochmals etwa 200 bis 300 Menschen eine intensivmedizinische Betreuung brauchen.

In zwei Wochen werden wir hoffentlich den Effekt des Lockdowns richtig bemerken. Die Intensivstationen werden bis dorthin aber am absoluten Limit sein, auch wenn inzwischen einige Menschen die Intensivstationen wieder verlassen werden – tot oder lebendig. Ärzte werden bereits in der einen oder anderen Situation entscheiden müssen, welcher Patient nun die bestmögliche Versorgung erhält – und welcher nicht mehr („Triage“). Und das betrifft nicht nur COVID-Patienten, sondern z.B. auch Patienten mit Herzinfarkt, nach schweren Operationen oder auch nach Unfällen.

In Summe schätze ich, dass wir in den nächsten 14 Tagen nochmals mindestens 500 COVID-Tote in Österreich sehen werden.

Angenommen, die täglichen Neuinfektionen würden in zwei Wochen wieder unter 1000 Neuinfektionen täglich sinken, dann wären wir wieder da, wo wir von etwa einem Monat waren. Mit dem Unterschied, dass die die Situation in den Krankenhäusern eine ziemlich angespannte sein wird.

Können wir den Lockdown dann einfach beenden und so weitermachen wie vorher? Um dann spätestens drei Wochen später in den nächsten Lockdown zu stolpern?

 

Wir werden – falls überhaupt - ein sehr behutsames Öffnen nach dem Lockdown brauchen. Mit Einschränkungen im Handel, in den Schulen, in den Kirchen. Überall, wo größere Menschenmengen aufeinandertreffen. Mit weiterhin bestehenden Einschränkungen unserer Freiheiten. An unsere Kollektive Vernunft glaube ich leider schon länger nicht mehr…

Blogeintrag: Twitterblasen

Heute werde ich mich mal nicht über COVID auslassen. Die Zahlen scheinen (zu hoch) stabil, und ich bin ein wenig müde...

Hatte aber ein lustiges Erlebnis auf Twitter, wo ich mich seit etwa zwei Jährchen in einer selber gebastelten "Blase" (man sucht sich ja selber aus, wem man folgt...) bewege. Nachdem ich in dieser Zeit gerade einmal gut hundert "Follower" angesammelt habe, bekomme ich auf meine "Tweets" (für die Nicht-Twitterer: für das, was man dort von sich gibt) meistens so plusminus 10 Reaktionen, und das im Allgemeinen von denselben Menschen.

Habe vorgestern Abend dort getwittert:

"Vor 3 Wochen: 0 positive COVID-Antigen-Schnelltests in der Praxis

Vor 2 Wochen: 2 positive Tests

Letzte Woche: 5 positive Tests

Heute an nur einem Tag: 5 positive Tests.

Alles in Butter ... Lockdown wirkt. Oder?"

Und plötzlich ging es auf - Likes, Retweets, Antworten (natürlich auch genug Kritik), in Summe gegen 300 Reaktionen - statt den gewohnten 10.

Unser ZIB-Anchorman Armin Wolf hat meinen Tweet geteilt. Und plötzlich hat man Publikum. Danke Armin Wolf, hat Spaß gemacht ;-)

Und morgen freue ich mich dann wieder über die üblichen 10 Reaktionen.

 

COVID19 und Schule

In den letzten Tagen flammt eine zunehmende Diskussion über Schulschließungen aufgrund der steigenden COVID-19 Fallzahlen auf.

Ich unterstelle an dieser Stelle einmal, dass es politisch im Moment aufgrund des Widerstands in der Bevölkerung ziemlich unpopulär ist, Schulen zu schließen. Es wird immer wieder auf die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung bei Kindern niedrigere Anzahl an positiven COVID-Tests verwiesen.

Den aktuellen AGES Daten nach gibt es in den Gruppen der 0 bis 4 Jährigen und der 5 bis 15 Jährigen tatsächlich empfindlich weniger COVID-Fälle wie in den anderen Altersgruppen. Erst in der Gruppe der 15 bis 24 Jährigen steigen die Zahlen deutlich an.

Allerdings wird beflissentlich vergessen zu erwähnen, dass in der aktuellen Teststrategie Tests bei Kindern unter 10 Jahren nur sehr eingeschränkt vorgesehen sind. Und ohne durchgeführte Tests gibt es auch keine positiven Resultate.

Diesen Zahlen steht allerdings das Ergebnis der letzten Gurgelstudie in Wien diametral gegenüber: bis 23. Oktober wurden 5.900 Kinder in Wiener Schulen getestet. Gut 3,5% der getesteten Kinder waren positiv!

Zum Vergleich: am 23. Oktober gab es in ganz Österreich offiziell gut 18.000 bekannte COVID-Fälle, etwa 0,2% der Bevölkerung.

Das bedeutet, dass die Rate der in Wien COVID-positiv getesteten Schüler am 23. Oktober 2020 mit 3,5%  17,5 (in Worten: Siebzehnkommafünf!) Mal so hoch war wie die Positiven-Rate der österreichischen Bevölkerung.

Natürlich war der Großteil der Schüler asymptomatisch. Allerdings schließt das nicht aus, dass diese Kinder COVID-19 weitergeben können. In Anbetracht dessen, dass wir beim Contact-Tracing im Moment bestenfalls 25% der Neuinfektionen rückverfolgen können, halte ich eine Verbreitung durch Kinder sogar für wahrscheinlich.

Vielfach wird auf die bei Kindern unter 10 Jahren in geringerem Maße vorhandenen ACE-Rezeptoren (die das Virus zum Andocken braucht) verwiesen. Eines habe ich aber in meiner 6-jährigen Tätigkeit in der Grundlagenforschung an der Uni Innsbruck gelernt: nur weil etwas biochemisch erklärbar ist, beweist das noch lange nicht, dass es dann tatsächlich auch funktioniert.

Leider werden wir in der Bevölkerung aufgrund der völlig unterschiedlichen Lebenssituationen keinen Konsensus in dieser Frage finden. Ich wünsche mir, dass meine Kinder zu Hause bleiben dürfen. Eine alleinerziehende Mutter ist mit dieser Situation aber plötzlich in einer Notlage.

Warum dürfen nicht zumindest die Kinder jener Eltern, welche zu Hause ohne Probleme Homeschooling schaffen, auch zu Hause bleiben? Die Klassen wären ausgedünnt, und es gäbe unter den Kindern, die in die Schule gehen wollen / müssen, weniger Infektionen. Im Moment steuern wir in großen Schritten auf einen kompletten Lockdown auch in den Schulen zu.

Aber hört bitte endlich mit der unhaltbaren Aussage auf, Schulen wären keine Infektionsherde!

Blogeintrag 5.11.: Fallzahlen

Heute wurde mir die Frage gestellt, warum es „plötzlich“ so viele positive Fälle gibt.

In meinem Blog am 17. Oktober habe ich geschrieben: 1747 bestätigte COVID-Fälle, 120 intensivpflichtige Patienten in Österreich.

In den letzten 24 Stunden hatten wir mehr als 7400 bestätigte COVID-Fälle, 383 intensivpflichtige Patienten.

Diese Zahlen zeigen uns schlicht und ergreifend, dass wir nicht nur einen gerne so genannten „Labortsunami“ produzieren, sondern dass auch die Zahl der schwer an COVID-Erkrankten Menschen deutlich ansteigt.

COVID 19 ist – auch wenn ein Teil der Bevölkerung das zumindest bisher nicht wahrhaben wollte – ansteckender als Influenza.

COVID 19 hat – wenn es auch für einen großen Teil der Bevölkerung eher harmlos ist – trotzdem bei ein paar Prozent der Erkrankten (und das sind nicht nur alte Menschen!) einen schweren Verlauf. Derzeit sind über 2500 Menschen in Österreich wegen COVID-19 im Krankenhaus, davon wie bereits erwähnt über 380 auf einer Intensivstation. Und etwa 2-3 von tausend Erkrankten sterben.

Und weil bisher von der „Aluhutfraktion“ COVID-19 als Todesursache gerne mit anderen Todesursachen verglichen wurde:

Es gibt derzeit pro Tag in Österreich im Schnitt durch

Verkehrsunfälle: 1-2 Tote

Selbstmorde: 3 Tote

COVID-19: 20-30 Tote, Tendenz deutlich steigend

Krebs: 60-70 Tote

Wenn die Notbremsung mit dem Lockdown nicht sehr plötzlich zu wirken beginnt, dann wird COVID als Ursache für tägliche Todesfälle auch noch Krebserkrankungen einholen. Und ich zweifle daran, dass der Lockdown in seiner aktuellen Form reicht.

Es wird eng ...

Wenn ich mir die Kurvenverläufe der hospitalisierten und auch der intensivpflichtigen COVID-Patienten ansehe, so beschleicht mich ein zunehmend unangenehmeres Gefühl.

In den beiden Wochen nach dem letzten Lockdown hat sich die Zahlen der COVID-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen noch verdoppelt. Falls sich dieser Verlauf der Kurve - wovon ich ausgehe - auch bei diesem (weichen) Lockdown wiederholt, dann müssen wir mit über 3000 COVID-Patienten in Krankenhäusern und mit etwa 600 COVID-Patienten auf Intensivstationen rechnen. Unser System wird das hoffentlich gerade noch irgendwie schaffen, aber nur mit massiven Einschränkungen im restlichen Krankenhausbetrieb. Das heißt, es wird in Krankenhäusern nur noch versorgt werden, was absolut akut und unumgänglich ist. Kleine "Unannehmlichkeiten" (z.B. künstliche Gelenke, Meniskusoperationen, ...) werden warten müssen.

Die laufend veröffentlichen Zahlen über verfügbare Krankenhausbetten und insbesondere Intensivbetten vernachlässigen immer den wesentlichsten Faktor: das Personal. Wir werden schon deutlich vor Erreichen der offiziell verfügbaren Betten Probleme mit dem notwendigen Personal (Pflege, Ärzte) bekommen. Insbesondere auch deshalb, weil das Arbeiten in kompletter Schutzausrüstung extrem anstrengend ist und zwangsweise ein Teil des Personals trotz aller Schutzmaßnahmen erkranken und ausfallen wird.

Zusammenfassend: wir sind spät dran. Es wird eng.

 

 

Patientenorganisation COVID

Der heutige Blogeintrag richtet sich in erster Linie an unsere eigenen Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich stehen wir auch im Falle eines Lockdowns unseren Patienten für sämtliche medizinischen Probleme wie gewohnt zur Verfügung.

Da in unserer Praxis COVID-Antigen Tests durchgeführt werden, achten wir auf eine STRIKTE Trennung zwischen möglicherweise infektiösen und nicht-infektiösen Patienten. Aus diesem Grund ist das Betreten unserer Praxis ausnahmslos NUR NACH TELEFONISCHER oder ONLINE-TERMINVEREINBARUNG erlaubt (das gilt auch im Wochenend- bzw. Feiertagsdienst!).

Je nach Dringlichkeit des Anliegens bekommt JEDER Patient noch am selben Tag, allerspätestens aber binnen drei Tagen einen Termin – wenn notwendig auch außerhalb unserer regulären Öffnungszeiten.

Bitte kommen Sie PÜNKTLICH zum vereinbarten Termin!

In unserem Vorwarteraum befindet sich ein Nummerndrucker und die entsprechende Anzeige für den Nummernaufruf. Erst nach Aufruf der eigenen Nummer ist ein Eintritt zur Anmeldung EINZELN erlaubt. Wenn sich unsere Patienten weitgehend an die vereinbarten Termine halten, dürfte es hier keinerlei Wartezeiten (im Freien / vor der Praxis) geben.

Erst NACH der Anmeldung darf unser eigentlicher Warteraum benutzt werden. Nur so können wir gewährleisten, dass nicht mehr wie 2 (höchstens 3) Patienten zeitgleich in unserem gut 25 m² großen Warteraum sind. Möglicherweise ansteckende Patienten können sofort nach der Anmeldung in einem entsprechenden Behandlungsraum separiert werden. Der Luftaustausch im Warteraum erfolgt wie in der gesamten Praxis über eine großzügig dimensionierte mechanische Lüftungsanlage.

Trotz Doppelbesetzung an unserer Anmeldung zu den Stoßzeiten kommt es immer wieder zu Engpässen am Telefon. Aus diesem Grund sind bis auf Weiteres telefonisch lediglich Terminvereinbarungen (bzw. das Vereinbaren eines Rückrufes durch einen Arzt) oder – nun wieder neu – telefonische Krankmeldungen möglich.

Wir bitten um Verständnis, dass es uns NICHT möglich ist, Rezeptanforderungen telefonisch entgegenzunehmen. Rezepte können (im Idealfall) per E-Mail angefordert werden (l), alternativ befindet sich ein Briefkasten vor der Praxis, in welchem Rezeptanforderungen schriftlich abgegeben werden können. Die entsprechenden Rezepte werden über die elektronische Gesundheitsakte zur Abholung in jeder beliebigen Apotheke bereitgestellt. Falls eine schriftliche Rezeptanforderung nicht möglich sein sollte, können wir in Ausnahmefällen einen Rückruf außerhalb unserer Ordinationszeiten anbieten.

Wir hoffen durch diese Maßnahmen auch in COVID-Zeiten eine reibungslose Versorgung unserer Patienten gewährleisten zu können!

Dr. Alfred Doblinger

Vertretungsärztin Dr. Nadja Feuerstein

Turnusarzt Dr. Philipp Steidl

Prophylaxe verboten?

In der Medizin haben wir ein Lieblingsthema: Prophylaxe.

Wir machen Zahnprophylaxe. Wir machen prophylaktisch unsere Vorsorgeuntersuchungen und erstaunlich viele von uns lassen sich ab dem 50. Lebensjahr prophylaktisch in einer kurzen Narkose einen gut ein Meter langen Schlauch im Sinne einer Vorsorge-Darmspiegelung in den Allerwertesten stecken. In der Hoffnung, dass diese ganzen Maßnahmen etwas bringen mögen. Sicher wissen tut das aber keiner von uns. In Wirklichkeit haben sich die meisten von uns den blöden Schlauch umsonst (nicht im Sinne von gratis, sondern im Sinne von "hätte ich ja gar nicht gebraucht") reinstecken lassen, ein paar wenige profitieren aber davon. Prophylaxe eben. 

Und nun haben wir es in unserer Gesellschaft plötzlich mit einem Virus zu tun, von dem wir in letzter Konsequenz nicht wissen, ob es unserer Gesellschaft, aber auch dem Leben jedes Einzelnen von uns nun wirklich massiv schaden wird oder nicht. 

Wenn wir nun - bevor wir die vollen Konsequenzen ausprobiert haben - prophylaktisch einen größeren Schaden verhindern wollen, dann geht das hier nicht mehr. Weil jegliche Prophylaxe-Maßnahme gegen eine Pandemie zwangsweise in irgendeiner Form die persönliche Freiheit einschränkt. Und eine prophylaktische Beschränkung unserer Freiheit ist nun einmal von Gesetzes wegen nicht möglich - wie uns die fast täglich eintrudelnden Urteile des Verfassungsgerichtshofs betreffend die bisherigen Maßnahmen gegen die Pandemie zeigen. 

Ich frage mich somit

1) wozu habe ich mir das mit der Darmspiegelung vor einem Jahr angetan und

2) wieviel an Kollateralschäden (abgesagte Operationen, verschleppte Krebsdiagnosen, unbehandelte Herzinfarkte,...) und auch an COVID-19 verstorbene Mitmenschen werden wir in Kauf nehmen, weil auf eine Prophylaxe im Sinne von gesetzlichen Einschränkungen vor lauter Angst der Politik vor der Stimmung in der Bevölkerung so (zu) lange verzichtet wird?

Niemand weiß es. Wir werden es erst wissen, wenn wir es darauf ankommen lassen.

Lockdown in Österreich?

Wie bereits vor einer Woche in meinem Blog befürchtet, steuern wir unweigerlich auf einen Lockdown zu. Die Infektionszahlen steigen täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten in Krankenhäusern steigt täglich. Die Zahl der COVID-19 Patienten auf Intensivstationen steigt täglich. Die Zahl der an/mit COVID Verstorbenen steigt täglich. 

Alle bisher seitens der Regierung (wenn auch teils halbherzig - siehe COVID Tests bei Hausärzten) getroffenen Maßnahmen ändern bisher gar nichts. Die Zahlen steigen, Krankenhäuser beginnen bereits wieder Operationen zu verschieben, Herzkatheter werden statt mit 2 Tagen KrankenhausAufenthalt nun wenn möglich tagesklinisch durchgeführt.

Deutschland hat ab kommenden Montag einen partiellen Lockdown. Meine persönliche Prognose: wir werden mitmachen. Einzig die Frage nach dem Schulstart nach den Ferien ist offen. Einerseits wird mit aller Gewalt versucht, Schulschließungen zu vermeiden. Andererseits ist bereits vor den Ferien - zumindest in den mir bekannten Schulen (den Schulen meiner Kinder) - die Zahl der COVID-19 positiven Schüler und Lehrer eine nicht ganz unerhebliche gewesen. Soweit ich mitbekommen habe, soll versucht werden, dieses Problem mit COVID-Antigen Schnelltests bei Schülern etwas zu entschärfen. 

Wenn das aber "gleich gut" (nämlich gar nicht!) funktioniert, wie die Versorgung von Pflegeheimen oder Arztpraxen mit COVID-Antigen Schnelltests, dann wird uns auch diese Idee nicht weit bringen...

Politikchaos bei Ärzte-Schnelltests

Letzten Montag wurde bekanntgegeben, dass niedergelassene Ärzte in den Praxen ab Donnerstag endlich auf Kosten der Krankenkassen COVID-Schnelltests durchführen dürfen.

Wir brauchen dazu nun zwei Voraussetzungen:

1) Grünes Licht von den Sozialversicherungen mit einer Verrechnungsposition

2) Tests

Bis gestern Abend, also über eine Woche nach Veröffentlichung dieser Verordnung durch den Gesundheitsminister, gab es seitens der Sozialversicherungen immer noch keine Verrechnungsposition für uns Ärzte. Obwohl das Honorar für die Tests bereits in der Bundesverordnung fixiert ist. Und obwohl die Sozialversicherungen die gesamten Kosten vom Bund zurückerstattet bekommen.

Da weder von Politik noch von Sozialversicherung kommuniziert wurde, ob wir Ärzte nun Tests zur Verfügung gestellt bekommen oder ob wir selber Tests kaufen sollen (wir sprechen hier sofort einmal von ein paar tausend Euro) hat nun ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte auf "grünes Licht" zum Testen durch Sozialversicherung und Ärztekammer gewartet. Währenddessen haben nun unsere Nachbarländer, unsere Bundesländer und auch die Wirtschaftskammer (für ihre Mitglieder!) begonnen, COVID-Antigen-Schnelltests in großem Stil aufzukaufen. Ich habe gestern versucht, bei irgendeinem der drei gängigsten Hersteller Tests nachzukaufen. Lieferzeit Roche: keine Auskunft. Lieferzeit Abbott: mindestens 3 Wochen (es sind noch Teile meiner Bestellung von letzter Woche offen), Lieferzeit Nal-von-minden: bei Bestellung von 10 Packungen (20 Tests pro Packung) bekommen ich in den nächsten beiden Wochen vielleicht die eine oder andere Packung geliefert.

Aufgrund der massiven Verzögerungen zuerst bei der Veröffentlichung der Bundesverordnung und nun durch die Sozialversicherungen (Verrechnung) in Bezug auf COVID Tests bei Ärzten kommen wir nun in eine Situation, wo die Schnelltests vergriffen und für unsere Praxen gar nicht mehr verfügbar sind! Die eigentlich sehr gute und richtige Idee, dass in den Arztpraxen getestet wird, hat sich aufgrund mangelnder Kommunikation, massiver Verzögerung bei Politik und Sozialversicherungen und aufgrund eines ausgeprägten Desinteresses seitens der Ärztekammer - wie zu befürchten  war - bereits erledigt, bevor es noch überhaupt begonnen hat. 

Ärztekammer & Covid

Heute geht es in meinem Blog einmal um ganz etwas anderes.

Ich habe soeben auf Salzburg24.at einen Artikel gelesen, wonach die Österreichische Ärztekammer gegen die aktuelle Regelung mit den Schnelltests in Österreich sei.

Laut Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer seien COVID Schnelltests für Wiener Allgemeinmediziner in deren Praxen nicht praktikabel. Und der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte (ein pensionierter Allgemeinmediziner aus Tirol) ist gegen die "Zusatzbelastung der Hausärzte". Wir würden nun überrannt werden, und Tests seien ja auch noch keine da. 

Ich distanziere mich hiermit in meinem Namen und im Namen vieler meiner sehr engagierten Kollegen offiziell von dieser "meiner" Ärztekammer!

Ersten besteht Österreich nur zu einem verhältnismäßig kleinen Teil aus Wien. Bitte an meine Standesvertretung, dies zur Kenntnis zu nehmen!

Und außerdem kämpft die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin seit Monaten mit aller Kraft dafür, dass wir endlich in den Praxen testen dürfen! In Salzburg und Vorarlberg testen Hausärzte bereits seit zwei Wochen auf Kassenkosten. Ein beachtlicher Teil der Tiroler Hausärzte verwendet - so wie wir - bereits Schnelltests (nur hat diese bisher der Patient selber bezahlt). Und wir sehen es als unsere Verantwortung und sind stolz darauf, für unsere Patienten da zu sein. Es entspricht nicht unserem Berufsverständnis, kranke Menschen an eine Hotline oder in eine Screeningstraße abzuschieben, anstatt sie in unseren Ordinationen zu versorgen. 

Natürlich ist es ein organisatorischer Aufwand, potentiell infektiöse Patienten von den anderen Patienten fern zu halten. Aber es ist machbar. Und ganz nebenbei: es ist nur eine - von uns dringend gewünschte - freiwillige Möglichkeit. Kein Kollege wird gezwungen, mitzumachen. 

Covid vs. Influenza

Auf einen warnenden Blog auf Facebook bekommt man gerne Zahlen präsentiert, welche zeigen sollten, dass COVID ja ohnehin nur halb so schlimm sei. Zum Beispiel die Gegenüberstellung von jährlich über 36.000 Toten durch Herz-Kreislauferkrankungen und den bisher erst etwas über 900 an (oder mit) COVID Verstorbenen.

Und dann muss auch noch recht gern der Vergleich mit den jährlich zwischen 1000 und 4000 Grippetoten in Österreich herhalten. Stimmt - auch dagegen sind unsere gut 900 COVID-Toten verkraftbar.

So what ... würde meine Tochter nun sagen. Wo liegt das Problem. Schlicht und einfach daran, dass wir bisher in Österreich - im Gegensatz zu Italien, England oder auch Belgien - ja noch nie ausprobiert haben, was passieren würde, wenn wir COVID einfach ignorieren würden. 

Na gut, bleiben wir bei dem Vergleich mit der jährlichen Influenza - was können wir inzwischen als einigermaßen gesichert betrachten?

Was ist infektiöser? Influenza oder Covid? Korrekt, Covid hat hier ein wenig die Nase vorn (ca. 1:2 Influenza, 1:3 COVID).

Was tötet von allen Infizierten mehr Menschen? Influenza oder Covid? Influenza hat eine Sterblichkeit von etwa 0,1 bis 0,2%. Covid zumindest 0,3 bis 0,5% (Von allen in Österreich positiv Getesteten sind es 1,3%, aber es gibt ja zum Glück eine Dunkelziffer).

Und zu guter letzt gibt es gegen Influenza eine Impfung, mit der wir zumindest knapp 10% der Bevölkerung mit Schwerpunkt ältere Personen schützen.

Wenn wir also bei einer weniger infektiösen, mindesten um die Hälfte weniger tödlichen Erkrankung, gegen die auch noch Teile der Bevölkerung geimpft sind, jährlich zwischen 1000 und 4000 Tote habe, wie viele Tote habe ich dann, wenn sich COVID einfach so ausbreiten darf? Echt jetzt? Ihr wollt das ausprobieren?