Blog: Lockdown-Ende und Massentests

Die Entscheidung der Regierung, den harten Lockdown mit Montag weitgehend aufzuheben, hat mich doch einigermaßen überrascht. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde zu Beginn des harten Lockdowns einmal von einem Ziel von unter 1000 Neuinfektionen täglich gesprochen – und davon sind wir ein gutes Stück entfernt.

Es wurde mit diesem recht kurzen Lockdown das Allerschlimmste verhindert. Unsere Krankenhäuser und Intensivstationen sind zwar nicht zu 100% ausgelastet, haben aber doch ganz beachtlich mit den aktuell Erkrankten zu kämpfen. Von einer einigermaßen normalen medizinischen Versorgung sind wir allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Ich habe vor kurzem einen Patienten mit einem schmerzhaften Leistenbruch zur Operation ins Krankenhaus überwiesen. OP-Termin: Ende März.

Es ist ein Kompromiss zwischen der Gesundheit von Menschen und der Gesundheit der Wirtschaft. Im Moment ist dieser eher zu Gunsten der Wirtschaft ausgegangen. Ich bin schon neugierig auf die ersten Bilder von Menschenmassen ohne Abstand kommenden Montag in den Einkaufszentren.

Noch ein Wort zu den Massentests: Florian Klenk (Falter) hat gerade eben auf Twitter wieder kritisiert, warum denn diese Tests schmerzhaft durch die Nase und nicht durch den Mund durchgeführt werden. Zum einen sind – bis auf eine Ausnahme – alle mir bekannten Antigen-Schnelltests nur als Nasen-Rachen-Abstrich vom Hersteller zugelassen. Was wäre wohl die Reaktion der Presse, wenn diese Tests „unsachgemäß“, also gegen ihre Zulassung – als Mund-Rachen-Abstrich durchgeführt werden? Ob der Abstrich über die Nase schmerzhaft ist, ist vorwiegend eine Frage der Durchführung. Wenn ein Nasenabstrich mit Vorsicht und Gefühl, mit leichtem Drehen des Tupfers bereits beim Einführen gemacht wird, dann ist das ganze halb so schlimm (ich habe sicher schon zehn solche Abstriche hinter mir). Wir hatten gestern bereits eine Einschulung des Personals im Sprengel, und heute haben wir die nächste – für eine schonende, schmerzlose Abstrichentnahme.

Ob uns die Massentests etwas nützen werden, das werden wir nach dem Wochenende wissen. Wenn die Zahl der positiven Tests deutlich unter 1% liegt, dann hat es nicht viel gebracht (wie z.b. bei den ersten Tests im Bundesland Salzburg: zwei Positive von über 1000 Getesteten). Ist die Zahl der Positiven höher, dann ist es gegen Ende des Lockdowns ein zweckmäßiges Mittel, die Zahl der täglichen Neuinfektionen kommende Woche nochmals signifikant zu senken. Aber wie gesagt: wer recht hat (Kritiker oder Regierung) werden wir erst danach wissen.

Noch ein letztes Mal zur Angst vor den falsch positiven Tests: alle positiven Schnelltests werden mit PCR nachkontrolliert – und niemand wird wegen eines falsch positiven Tests 10 Tage umsonst in Quarantäne sitzen!