Blog: COVID-Massentests Teil II

Die Vorbereitungen zu den Massentests sind seit dem „Blitzüberfall“ der Tiroler Landesregierung auf die Gemeinden jetzt voll im Gange.

Gesucht werden noch jede Menge Freiwillige, besonders mit einer medizinischen Ausbildung (Diplomiertes Pflegepersonal, Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte, Sanitäter) zur Mithilfe von Freitag 4. bis Sonntag 6. Dezember. Wer an diesen Tagen ein paar Stunden Zeit hat, bitte unbedingt bei der Heimatgemeinde melden. Je mehr Freiwillige wir finden, desto besser wird es funktionieren. Und als netter Nebeneffekt: es gibt 50 Euro brutto pro Stunde.

Aber nun zurück zur Sinnhaftigkeit: ich habe soeben wieder auf Twitter die Meldung eines Freundes gelesen, worin er Bundeskanzler Kurz auffordert, die Evidenz für die Massentests zu belegen. Woher sollen wir bitte eine Evidenz, also eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zur Lösung eines Problems nehmen, wenn dieses Problem weltweit zum ersten Mal in Erscheinung tritt? Natürlich gibt es die eine oder andere Publikation zu diesem Thema, allerdings ist die Menge an vorhandenen Daten im Gegensatz zu dem, was wir in der Medizin gewohnt sind, meines Erachtens lächerlich gering.

Das Hauptargument der Gegner eines COVID-Massentests ist, dass die effektive Reproduktionszahl R(eff) ein paar Wochen nach dem Test wieder da ist, wo sie vor dem Test war. Also dass die Anzahl der von einem Menschen weiter infizierten Menschen einige Wochen nach dem Test wieder gleich hoch ist wie vor den Tests. Allerdings vernachlässigt diese Argumentation völlig den nach so einem Test niedrigeren Ausgangswert der unerkannt mit COVID infizierten Menschen, mit dem wir nach den Massentests wieder starten werden.

Eine weitere große Rolle, wie hoch ein allfälliger Benefit der Massentests sein wird, ist - wie bereits im ersten Blog zu diesem Thema erwähnt - die Dunkelziffer. Liegt sie - wie bei den ersten Massentests in Südtirol - bei unter 0,9%, hat die ganze Aktion einen recht kleinen Effekt. Liegt sie aber, wie es die letzten Stichproben in Österreich zeigen, eher bei 3%, dann könnten uns die Massentests einen großen Vorteil für die nächsten Wochen im Kampf gegen COVID bringen.

Angenommen, die Massentests würden gut funktionieren, dann könnten diese auch ein probates Mittel sein, einen weiteren Lockdown zu vermeiden, bevor uns andere Mittel – wie z.B. eine Impfung – zur Verfügung stehen.

Wir wissen es nicht. Es gibt keine ausreichende Evidenz. Aber es ist einen Versuch wert. Also unterstützt diese Aktion, meldet Euch freiwillig zur Mitarbeit bei den Gemeinden. Und lasst Euch testen.