Blog: COVID-Massentests Teil I

Kaum hat unsere Regierung eine Idee, schon gibt es wieder Zwischenrufe, das wäre Blödsinn. Im Moment ist das Thema die geplanten COVID-Massentests der Bevölkerung mit Antigen-Schnelltests.

Meine Zweifel an der reibungslosen Durchführung habe ich an anderer Stelle in meinem Blog vom 21. November bereits geschrieben. Nehmen wir jetzt aber einmal an, die Durchführung funktioniert reibungslos und werfen daher einen Blick auf die von den Gegnern vorgebrachten Argumente.

Dazu müssen wir wieder einmal einen Blick auf die zwei wesentlichen Kennzahlen eines Testverfahrens richten: Die Sensitivität und die Spezifität.

Antigen-Schnelltests, wie wir sie auch in unserer Praxis verwenden, sind einfache und recht günstige Tests, die auf Bestandteile der Virushülle reagieren. Wie gut dieser Test nun funktioniert, hängt in erster Linie von der vorhandenen Menge Virus ab. Da beim Massentest nur Menschen getestet werden sollen, die keine Symptome (und somit eher geringe Virusmengen) haben, wird die Sensitivität in dieser Testgruppe von den Behörden auf etwa 80% geschätzt. Das heißt, wir finden etwa 8 von 10 bisher unerkannt COVID-positiven Menschen. Die Hersteller geben Werte von etwa 93% bis 97% an.

Bei der Spezifität wird es nun schwieriger. Die Spezifität besagt, wie viele von 100 gesunden Personen vom Test richtig als gesund erkannt werden. Teste ich nur wenige Personen, von denen sehr viele wirklich krank sind (z.B. in einer Arztpraxis), so ist eine Spezifität von über 99% völlig ausreichend. Teste ich aber enorm viele völlig gesunde Patienten, dann spielt die Spezifität – wie wir in der folgenden Rechnung sehen werden – plötzlich eine enorme Rolle. Für die Zulassung eines Antigen-Tests wird eine Mindest-Spezifität von 97% gefordert, idealerweise aber eine Spezifität von 99% erwartet.

Spezifität einiger Tests laut Herstellerangaben: Nal-von-Minden: 99,9%, Roche 99,68%, Abbott 99,8%, No-Name-Test online-Handel 99,2%. Diese Zahlen bedeuten, dass beim Test von 1000 gesunden Menschen zwischen einem und acht Menschen fälschlicherweise als krank erkannt werden. Leider sind diese Angaben eher optimistisch und beruhen auf der Auswertung von im Schnitt lediglich etwas über 200 Tests von gesunden Personen.

Ich würde zusammenfassend als Ausgangspunkt für die folgende Rechnung von einer Sensitivität von zumindest 80% und einer Spezifität von zumindest 99,5% ausgehen.

Was uns für unsere Rechnung nun noch fehlt ist die zu erwartende Dunkelziffer von COVID-positiven Menschen in Österreich. Wenn ich einen Blick auf unsere Nachbarländer werfe, so war etwa 1% der getesteten Bevölkerung COVID positiv – ohne es zu wissen. Die Dunkelziffer betrug also etwa 1%.

Nehmen wir nun an, es lassen sich 3 Millionen „gesunde“ Österreicher in den nächsten Wochen testen. Bei unserer aus den Nachbarländern übernommenen Dunkelziffer von etwa 1% sollten daher etwa 30.000 Menschen COVID-positiv sein, ohne es zu wissen. Bei einer Sensitivität von 80% werden wir 24.000 potentielle Überträger von COVID finden, etwa 6.000 werden übersehen.

Übrig bleiben 2.970.000 (99% von 3 Millionen) wirklich gesunde Menschen. Bei einer Spezifität von 99,5% werden 2.955.150 Personen richtig als gesund erkannt. Und nun kommt das Problem: etwa 0,5% von den 2.970.000 Personen werden „falsch positiv“ getestet. Das bedeutet, dass 14.850 Menschen einen positiven Test haben werden, obwohl sie COVID-negativ sind.

Zusammenfassend würde unser Massentest somit 24.000 richtig COVID-positive und 14.850 falsch COVID-positive ergeben. Somit insgesamt 42.450 positive Ergebnisse, von denen jedes mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 35% falsch ist. Das ist auch der Grund, warum die positiven Ergebnisse mittels PCR nachkontrolliert werden. Und im Gegenzug haben wir 6.000 eigentlich COVID-Positive übersehen.

Sollen wir diese Tests nun wirklich durchführen? Ich denke – trotz dieses eher ernüchternden Ergebnisses – eher ja.

Leider hat sich im Zuge dieser Pandemie gezeigt, dass die statistische Erfassung von Zahlung in unserem Land überhaupt nicht funktioniert. Es sollte nämlich überhaupt kein Problem sein, nach den ersten 300.000 am ersten Wochenende geplanten Tests die Rate der falsch positiven Ergebnisse nochmals zu evaluieren. Geht die Spezifität Richtung 99%, können wir die Massentests getrost vergessen. Geht sie in Richtung 100% ist es eine super Sache. Eigentlich wäre es ja ganz einfach…

 

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