Blog: COVID-Impfung, AstraZeneca und Thrombose

Warnung! Es wird lang und recht medizinisch - auch wenn ich mich bemüht habe, es auch für Nicht-Medizinier verständlich zu schreiben.

In den letzten Tagen ist es zu einer zunehmenden Verunsicherung über die COVID-Impfung insbesondere mit dem Impfstoff von AstraZeneca gekommen, da sich Berichte über Gerinnungsstörungen und thrombotische Ereignisse (Blutgerinnsel) – auch in Österreich – gehäuft haben. Deutschland, Italien und 13 andere Staaten haben die Impfung mit AstraZeneca inzwischen ausgesetzt, Österreich impft noch, die WHO empfiehlt, weiter zu impfen. Und die europäische Zulassungsbehörde EMA prüft noch.

Besteht also grundsätzlich die Möglichkeit, dass eine COVID-Impfung wirklich diese schwere, teils tödliche Nebenwirkung hat? Meiner Meinung nach ja.

Es wurde bereits zu Beginn der COVID-Pandemie in China beschrieben, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von COVID-Patienten im Krankenhaus an einer verminderten Anzahl von Blutplättchen und Gerinnungsstörungen litt.

Um zu verstehen, was nun eine verminderte Anzahl von Blutplättchen – eigentlich ein Risikofaktor für Blutungen – und Blutgerinnsel miteinander zu tun haben, können wir ein gutes vergleichbares Beispiel heranziehen: die Heparininduzierte Thombozytopenie (HIT). Eine gefürchtete Nebenwirkung bei der Verabreichung von Heparin, einem Medikament zur Gerinnungshemmung und Vorbeugung vor Thrombosen. Heparin bindet in unserem Körper an verschiedene Proteine (Eiweißpartikel). Gegen diesen Heparin/Protein-Komplex bildet unser Immunsystem mit etwas Pech Antikörper. Der an diesen Komplex gebundene Antikörper kann dann in weiterer Folge Blutplättchen aktivieren und diese beginnen zu verklumpen. Dadurch sinkt einerseits die frei verfügbare Menge an Blutplättchen („Thrombozytopenie“) und es kommt zu unerwünschten Einblutungen in Haut und Organe. Andererseits bilden die verklumpten Blutplättchen Thrombosen und können unter anderem zur Lungenembolie führen.

Es gibt nun (BMJ/2021/Mar 11) zumindest zwei Theorien, wie solch ein Vorgang durch eine COVID-Impfung ausgelöst werden könnte:

  • Es wäre möglich, dass die mRNA bzw. der Impfvektor direkt in die Blutplättchen gelangt und auch in diesen nun die – eigentlich für die Antikörperbildung erwünschten – COVID-Spikeproteine produziert werden. Somit würden Blutplättchen dann von COVID-Antikörpern erkannt und in weiterer Folge aktiviert werden. Es kommt wieder zum Verklumpen der Blutplättchen mit einerseits Abfall der frei verfügbaren Blutplättchen und andererseits zur Bildung von Thrombosen.
  • Manche Autoren vermuten hingegen, dass der Impfstoff eine direkte Autoimmunantwort gegen Blutplättchen und somit wiederum den bereits mehrfach beschriebenen Prozess von Abfall der Blutplättchen einerseits und Thrombose andererseits einleitet.

Somit stellen sich zwei Fragen:

  • Ist das Ganze wirklich nur ein Problem vom Impfstoff von AstraZeneca? Wir wissen es nicht – es wurden auch thrombembolische Ereignisse bei BioNTech/Pfizer und Moderna beschrieben. Leider kann ich beim besten Willen keine wirklich vernünftigen Zahlen dazu finden. Es würde mich aber nicht wundern, wenn sich im Laufe der nächsten Zeit herausstellen würde, dass das Problem auch bei anderen Impfstoffen besteht.
  • Ist es sinnvoll, nun einen einzelnen Impfstoff (AstraZeneca) auszusetzen oder vom Markt zu nehmen? Grundsätzlich steht mir hier kein Urteil zu. Wie bereits erwähnt, stehen keine validen Daten zur Verfügung, um das zu beurteilen.
  • Würde ich mich mit meinem heutigen Wissensstand mit AstraZeneca impfen lassen? JA! Laut den bisher verfügbaren Daten trat nach etwa einer von 200.000 AstraZeneca-Impfungen ein thrombembolisches Geschehen auf. Die Wahrscheinlichkeit für ein spontanes thrombembolisches Ereignis in der Gesamtbevölkerung liegt je nach Angabe zwischen 1 von 1000 und 1 von 10.000 pro Jahr. Das Risiko, einfach so „aus heiterem Himmel“ an einer Thrombose zu erkranken ist also wesentlich höher als das Risiko, eine Thrombose aufgrund einer COVID-Impfung zu bekommen.

In Anbetracht des letzten Absatzes widerspreche ich mir eigentlich selber. Weiter oben habe ich geschrieben, dass ich einen Zusammenhang mit der Impfung für wahrscheinlich halte!

Ich glaube, dass wir hier differenzieren müssen: einerseits gibt es die „banale“ Thrombose, vereinzelt mit einer – gerade bei jungen Frauen, die die Pille nehmen – gar nicht so seltenen Lungenembolie. Hier ist es meines Erachtens aufgrund der Häufigkeiten nicht zulässig, einen kausalen Zusammenhang zur Impfung zu vermuten. Andererseits gab es aber nach COVID Impfungen vereinzelte komplexe Immunthrombozytopenien (thrombembolische Geschehen mit Abfall der Blutplättchenzahl/Gerinnungsstörung) und auch vereinzelte Fälle einer in der gesunden Bevölkerung eher seltenen Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel im Gehirn). Hier ist ein Zusammenhang mit der Impfung meines Erachtens nicht ganz so unwahrscheinlich. Allerdings machen diese „Spezialfälle“ vermutlich nur einen sehr geringen Teil der bisher gemeldeten Zwischenfälle aus. Mit einem entsprechend extrem niedrigen Risiko, einen solchen nach einer COVID-Impfung zu erleiden.

Bei jeder Ruhigstellung eines Beines (Gips/Schiene) verordnen wir vorbeugend (!) unser gutes altes niedermolekulares Heparin („Thrombosespritze“) und riskieren wissentlich mit einem Risiko von ca. 1:10.000 eine – weiter oben beschriebene - heparininduzierte Immunthrombozytopenie. (Fachinformation Lovenox: selten (1:1000 – 1:10000) Fälle von immunologisch bedingter allergischer Thrombozytopenie mit Thrombose; manchmal ging die Thrombose mit den Komplikationen Organinfarkt oder Ischämie der Gliedmaßen einher.)

Und bei einer ebenso sinnvollen prophylaktischen COVID-Impfung wäre dann plötzlich ein potentielles Risiko von 1:200.000 ein Problem? Für mich nicht.

Blog: AstraZeneca ChAdOx1 – Zahlen und Daten

Beinahe täglich gibt es jetzt neue Meldungen ob und für wen nun der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen wird. Gar nicht? Für alle? Nur für unter 55-jährige?

Die einzige mir bekannte und öffentlich zugängliche Datenquelle ist eine Publikation im Lancet vom 9. Jänner 2021. Dabei lässt sich folgendes zusammenfassen:

Es wurden bisher insgesamt 11.636 Patienten in die Zulassungsstudien COV001 bis COV003 eingeschlossen. Von diesen bekamen 5807 tatsächlich den ChAdOx1 Covid-Impfstoff von AstraZeneca verabreicht, der Rest der Teilnehmer als Vergleich einen Meningokokkenimpfstoff.

Von den eingeschlossenen Personen waren insgesamt 5089 zwischen 18 und 55 Jahren, 494 zwischen 56 und 60 Jahren und 224 Testpersonen waren 70 Jahre und älter.

In der Auswertung werden leider keinerlei Auswertungen nach Alter, sondern nur der einzelnen Studiengruppen gemacht.

Fazit:  ca. 87,7% der Testpersonen hatten ein Alter zwischen 18 und 55 Jahren, und nur gut 12,3 % der Testkandidaten waren älter als 55 Jahre. Es liegen – zumindest im Lancet – keinerlei nähere Daten zur Wirkung nach Altersgruppen vor. Und auch wenn AstraZeneca diese Daten zur Zulassung nachreichen würde, so handelt es sich hier um lediglich 494 Testpersonen über 55 Jahre und extrem magere 224 Testpersonen über 70 Jahre.

Zudem kommt noch die bereits mehrfach angesprochene Problematik mit den verschiedenen Impf-Dosen. Von den 5807 insgesamt mit ChAdOx1 geimpften Personen wurden 1367 Probanden (alle zwischen 18 und 55 Jahre alt) zuerst mit einer niedrigeren und dann mit der Standard-Dosis geimpft. Unter diesen Personen kam es zu lediglich 3 COVID-Infektionen, in der Vergleichsgruppe zu 30, was eine Effektivität von 90% ergibt.

Bei allen anderen – beide male mit der vollen Dosis geimpften – Testpersonen konnte lediglich eine Effektivität von gut 60 bis 62% festgestellt werden. Grundsätzlich gibt es für diesen Unterschied medizinisch eine plausible Erklärung (basierend auf der verwendeten Vector-Technologie).

Die somit wirklich „brauchbare“ Testgruppe (COV001) beinhaltet somit keine über 55 Jährigen und hat auch lediglich 1367 tatsächlich Geimpfte und eine etwa gleich große Vergleichsgruppe.  Zum Vergleich: die Zulassung vom Impfstoff von BioNTech-Pfizer erfolgte aufgrund einer Studie mit über 43.000 Teilnehmern, von denen die Hälfte, also über 20.000, tatsächlich den Impfstoff erhalten haben. Es gab eine eigene Auswertung bei Personen über dem 65. Lebensjahr, welche einen Impfschutz von 94% ergeben hat.

Ich bin somit schon gespannt, wie die EMA Ende Jänner entscheiden wird: „Voll“Zulassung wie in England – als verspätetes Weihnachtsgeschenk für die Europäische Politik? Eine – für mich das wahrscheinlichste Szenario – Zulassung ab dem 18. bis zum 55. Lebensjahr. Oder der unwahrscheinliche Supergau für die Impfplanung – eine komplette Ablehnung der Zulassung.

Blog: Virusmutationen

Nach einer längeren Blog-Pause gibt es wieder einmal genug Themen für mich, um darüber zu schreiben.

Im Grunde genommen ist jetzt das passiert, wovor ich mich seit Beginn der Pandemie am meisten gefürchtet habe. Das Virus ist mutiert.

Was heißt das eigentlich? Das Virus infiziert eine Zelle und „zwingt“ diese dazu, eine hohe Zahl neue Viren zu produzieren. Bei jeder dieser Replikationen wird die gesamte Virus-RNA kopiert. Wobei kopiert das falsche Wort ist. Genaugenommen wird sie von einem Enzym, der RNA-Polymerase, Base für Base abgeschrieben. Und dabei passieren Fehler. Die Viren unterscheiden sich somit untereinander nach jeder „Kopie“ minimal. Wenn nun ein Fehler passiert, der für das weitere Überleben des Virus einen Nachteil mit sich bringt, so wird dieses neue Virus in weiterer Folge wieder aussterben. Wenn nun dieser Fehler für das Virus einen Überlebensvorteil bringt, indem es zum Beispiel leichter in unsere Zellen eindringen und uns infizieren kann, dann wird diese neue Variante des Virus aufgrund von diesem Vorteil über kurz oder lang die alte Variante verdrängen.

Genau das ist jetzt passiert: die „Britische“ B 1.1.7. Variante des COVID-Virus funktioniert aus Sicht des Virus besser wie sein Vorgänger, hat also einen entscheidenden Überlebensvorteil. Dieser Überlebensvorteil für das Virus ist für uns natürlich ein entscheidender Nachteil, weil noch schneller noch mehr Menschen an COVID-19 erkranken.

Im Moment sieht es so aus, als ob die im Moment um sich greifende Mutation zwar eine bessere Bindung zum ACE Rezeptor aufbauen kann und somit über diesen leichter in die Zelle eindringen und diese infizieren kann. Allerdings scheint diese entstandene Veränderung an der Virus-Oberfläche die Wirkung der aktuellen COVID-Impfungen nicht zu beeinträchtigen. Und auch der Verlauf der einzelnen COVID-Erkrankungen und die Zahl der schweren Verläufe scheint unverändert.

Was kann also auf uns zukommen? Mit etwas Pech kann sich in nächster Zeit eine Virusmutation entwickeln, bei der der Impfstoff nicht mehr greift. Dann müssten die Impfstoffe entsprechend geändert werden und eine neuerliche Impfung wäre nötig (ähnlich der Influenza – alle Jahre wieder neu).

Ich lese täglich in den sozialen Medien, dass sich unser Bildungsminister für die Schulöffnung endlich eine vernünftige Strategie einfallen lassen soll. Mein Problem dabei ist, dass ich mir bei einem nun doch recht infektiösen Virus keine Strategie vorstellen kann, bei der ich vermeiden kann, dass sich 15 oder gar 30 Menschen, die sich über Stunden im gleichen Raum befinden, nicht gegenseitig mit dem Virus anstecken.

Fazit: für mich bleibt das System Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Impfung funktionieren wird. Die Hoffnung, dass das Virus bis Sommer oder Herbst (wenn dann zumindest alle, die sich impfen lassen, geimpft sind) keine weiteren „Mutanten“ entwickelt, gegen die die Impfung nicht mehr schützen würde. Die Hoffnung, dass wir die Pandemie wirklich im Griff haben werden – und nicht umgekehrt.

Blog: Wo bleiben die bestellten COVID-Impfstoffe der anderen Hersteller?

Nachdem BK Kurz in seinem letzten ZIB-Interview erklärt hat, dass die EU von 6 Herstellern COVID-Impfstoffe geordert habe, bin ich jetzt einmal auf die Suche nach diesen Impfstoffen gegangen.

Die EU hat laut meiner Internet Recherche für (zumindest) folgende Impfstoffe Verträge abgeschlossen:

BioNTech/Pfizer: ursprünglich 200 Mio Dosen, nun auf 300 Mio aufgestockt. mRNA Impfstoff, Zulassung seit 23.12., bisher einziger zugelassener Impfstoff.

 

Moderna: 160 Mio Dosen, mRNA Impfstoff, Zulassung rund um den 7.1.2021 geplant.

 

AstraZeneca: 400 Mio Dosen, Vector-Impfstoff. Aufgrund der nicht ganz klaren Datenlage Zulassung frühestens Februar / März. In England und Argentinien Notzulassung.

 

Curevac: von diesem ebenfalls deutschen Hersteller wurden 405 Mio Dosen vertraglich gesichert. mRNA Impfstoff – ähnlich BioNTech/Pfizer und Moderna, kann aber als einziger mRNA Impfstoff im Kühlschrank gelagert werden. Phase III Studie seit Dezember laufend, Zulassung vermutlich III. Quartal 2021.

 

Johnson & Johnson: Vector-Impfstoff (ähnlich AstraZeneca), 200 Mio Dosen, es wird aber angeblich nur eine Dosis für den Impfschutz benötigt, Phase III bereits seit 9/2020 laufend. Frühester Antrag auf Zulassung in den USA für Februar 2021 geplant.

 

Sanofi-GSK: subunit-Impfstoff. Somit der einzige Impfstoff auf Basis der bisher verwendeten Technik – es wird wie üblich bereits ein Antigen zur Impfung verwendet. Allerdings bereitet dieser einzige „klassische“ Impfstoff überraschend Probleme aufgrund einer unzureichenden Immunantwort. Es ist frühestens im II. Quartal 2021 mit dem Beginn einer Phase III Studie zu rechnen. Falls die Immunantwort doch noch entsprechend ausfällt, wäre mit einer Zulassung frühestens im IV. Quartal 2021 zu rechnen.

 

In Summe hat die EU somit Verträge über 1765 Mio Dosen, ausreichend für 982 Mio Menschen, abgeschlossen. Bei einer Bevölkerungszahl von rund 450 Mio Menschen in Europa wurden Verträge über die doppelte der benötigten Menge an Impfstoffen abgeschlossen. Österreich sollte bei exakt 2% der europäischen Bevölkerung laut Bund 2% der verfügbaren Impfstoffe zur Verfügung gestellt bekommen.

 

Im Moment steht nur der Impfstoff von BioNTech/Pfizer und in nächster Zeit noch der Impfstoff von Moderna zur Verfügung. Von diesen beiden Impfstoffen müsste Österreich insgesamt (bei 2% des Vertragsvolumens) ein Kontingent von 9,2 Mio Dosen, ausreichend für 4,6 Mio Menschen zur Verfügung stehen. Es ist unwahrscheinlich, dass wir im I. Quartal auf über 500.000 Impfungen kommen werden. Bis Herbst wird es aber so viel Impfstoff geben, dass wir vermutlich nicht mehr wissen, wohin damit. Und falls Sanofi-GSK die Zulassung doch noch schaffen sollte, dann können die „Gen-Skeptiker“ (und Aluhutträger) dann auch noch ihren „gewohnten“ Impfstoff erhalten.

Blog: Die Zeit drängt – was macht der Impfstart

Die letzten Informationen aus England zur aktuellen Mutation des COVID-Virus machen nachdenklich. Beim Contact-Tracing zeigt sich, dass etwa 15% statt bisher knapp 10% der Kontaktpersonen sich mit dem „neuen“ Virus infizieren. Die Virus-Last bei den Betroffenen ist um 50% höher, was auch die höhere Infektiosität erklärt. Allerdings ist die prozentuelle Anzahl an schweren Erkrankungen oder Todesfällen im Wesentlichen unverändert. Wenn allerdings die Anzahl der Infektionen steigt, steigt in gleichem Ausmaß auch die Anzahl an Todesfällen. Von der Altersverteilung gibt es keine relevanten Änderungen zu bisher. Kinder unter 10 Jahre sind weniger häufig betroffen wie Erwachsene, die Gruppe der 10 bis 20 jährigen erreicht aber bereits das Niveau der durchschnittlichen Bevölkerung. (Quelle: Public Health England. Investigation of novel SARS-CoV-2 variant). Und ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese Variante des Virus sich auch bei uns ausbreitet.

Nun zum Impfen: hier geht es typisch österreichisch zu. Vor etwa zwei Monaten bekam ich ein schriftliches Angebot von unserem Softwarehersteller (CGM – Compugroup medical, Marktführer in Österreich bei Arztsoftware), in dem das Software-Modul „elektronischer Impfpass“ um einen Sonderpreis angeboten wurde. Unmittelbar darauf kam eine Aussendung der Ärztekammer für Tirol, dass diese vom Kauf dieses Moduls abrät, weil die gesetzlichen Gegebenheiten noch nicht geklärt wären. Heute kam nun ein neuerliches Schreiben der Ärztekammer von Tirol. Es werden COVID-Impfungen auch in den Praxen durchgeführt, Voraussetzung ist aber nun doch die Software-Anbindung an den elektronischen Impfpass. Nach Rücksprache mit einem Vertreter der Ärztekammer und meinem Softwarehersteller CGM sei die Entscheidung, dass der elektronische Impfpass verpflichtend für COVID-Impfungen zu verwenden ist, schlussendlich am 23. Dezember 2020 getroffen worden. Impfbeginn war in Wien am 27.12., bei uns im Wohnheim am 12.1.. Österreich weiß jetzt also seit Monaten, dass diese Impfung kommt. Die Einigung und der Entschluss, den elektronischen Impfpass zu verwenden, kommt ein paar Tage vor Impfstart.

Und die Zeit drängt. Vor allem, wenn die neue Mutation des Virus sich bei uns verbreitet.

Was ist los mit AstraZeneca?

Wie ich in meinem Blog vom 10.12. geschrieben habe sind im Moment drei Impfstoffe bei uns die   Hoffnungsträger:

 

BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech) – Zulassung 21.12.2020 erhalten, erste Impfungen in Österreich durchgeführt.

 

mRNA-1273 (Moderna) – Zulassung für 7.1. geplant und wahrscheinlich.

 

Beides sind Impfstoffe auf reiner mRNA-Basis. Die Effektivität liegt jeweils um die 95%, Verträglichkeit bisher sehr gut.

 

Im Gegensatz zu den beiden oben erwähnten mRNA Impfstoffen basiert der Impfstoff von AstraZeneca (Siehe Blogeintrag 10.12.) auf einem Virusvektor, d.h. einem intakten, aber für Menschen harmlosen Virus, welches die entsprechende RNA-Sequenz beinhaltet.

Die Vorteile von diesem Impfstoff gegenüber den beiden reinen mRNA-Impfstoffen sind

1) die Haltbarkeit (die mRNA Impfstoffe müssen bei -70° gelagert werden) und

2) Laut Medien der wesentlich günstigere Preis (ca. 14,- bis 18,- Euro pro Impfung bei den beiden mRNA Impfstoffen, Moderna scheint am teuersten zu sein, versus laut Medien 2,50 Euro pro Dosis bei AstraZeneca).

 

Soweit ich bisher den Medien entnehmen konnte (mehr Informationen haben wir leider nicht) scheint Österreich von den beiden mRNA Impfstoffen etwa 3 bis 3,5 Millionen Dosen, also die Menge für etwas über 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen bestellt zu haben. Den Rest will Österreich – so wie viele EU-Länder - mit dem Impfstoff ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca) abdecken. Weil billiger und leichter zu lagern.

 

Die Sache scheint im Moment einen kleinen Haken zu haben: in den ersten Tests hat der Impfstoff von AstraZeneca insgesamt lediglich eine Schutzwirkung von etwa 70% gezeigt. Allerdings gab es eine Untergruppe, in welcher zuerst eine kleine Dosis und bei der zweiten Impfung die Standard-Dosis verabreicht wurde. Und in dieser Untergruppe zeigte dann auch dieser Impfstoff eine Wirksamkeit von über 90%. Laut den bisher publizierten Daten hatte diese Untergruppe mit der guten Wirkung nur eine Größe von etwas über 1000 Probanden, also eine für eine Zulassung zu kleine Anzahl.

In den letzten Tagen hat AstraZeneca in den Medien eine – zumindest für mich – eher unangenehm aggressive Kampagne gestartet, wonach der Impfstoff „100-prozentige Impfstoff-Zuverlässigkeit“ versichert (DiePresse, https://www.diepresse.com/5916060/astrazeneca-versichert-100-prozentige-impfstoff-zuverlassigkeit   … Liebe Presse – warum macht ihr da mit?) – weil unter den geimpften keine relevanten schweren COVID Verläufe waren.

Dass aber mit den Daten nicht alles so klar ist, wie es sich AstraZeneca wünschen würde, scheint sich mit heutigem Datum bestätigt zu haben: die EMA (europäische Zulassungsbehörde) geht nicht von einer Zulassung noch im Jänner 2021 aus.

 

Ich zitiere aus meine Blog vom 10.12.2020 „Mit etwas Skepsis sehe ich im Moment noch den Impfstoff ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca). Einerseits verwendet dieser – zusätzlich zur ohnehin noch stark diskutierten mRNA Technik einen Virusvektor als Vehikel. Andererseits liefert dieser bei den zwei verwendeten Impfschemata nicht ganz erklärbare Unterschiede in der Wirksamkeit“ .

 

Ob Österreich mit diesem preisgünstigsten aller Impfstoffe nicht ein wenig auf das falsche Pferd gesetzt hat?

 

 

Blog: was ist mRNA - Zellbiologie

Nachdem ich heute Morgen auf facebook ein Posting gelesen habe, in dem ein Kollege von mir von einer „Umprogrammierung“ der Zelle geschrieben hat, möchte ich an dieser Stelle ein wenig über die Vorgänge in unserem Körper – und über den Mechanismus der ersten beiden Impfstoffe schreiben:

Jede Zelle in unserem Körper besteht aus einer Zellhülle (aus Lipiden = kleinsten Fettpartikeln), aus dem Zytoplasma mit den Zellorganellen und der Zellflüssigkeit, und aus dem Zellkern, der ebenfalls mit einer Lipidmembran – ähnlich der Zellmembran – umhüllt ist.

Im Zellkern jeder einzelnen unserer Zellen wird in Form der sogenannten Chromosomen unsere DNA gespeichert. Diese DNA besteht aus lediglich 4 verschiedenen Nukleinbasen, die sich in unterschiedlichster Reihenfolge unglaublich oft wiederholen und auf diese Weise unser gesamtes Erbgut beinhaltet. Zum Schutz hat diese DNA eine „Negativkopie“, mit welcher sie fix verbunden ist. Dieser lange Strang an Informationen wird zuerst vielfach um die eigene Achse gedreht („Helix“) und dann noch mehrfach um Proteine (Histone) gewickelt und liegt so gut geschützt im Zellkern.

Bei Bedarf wird die DNA ein kleines Stück weit „entwickelt“. Der Doppelstrang teilt sich und von einem kleinen Stück der Nukleinsäurekette kann nun eine exakte negativ-Kopie von einem bestimmten DNA-Stück „transkribiert“, also abgeschrieben werden, eine Einzelstrang-RNA entsteht. Danach schließt sich der DNA Doppelstrang wieder, die DNA wird wieder zur Helix eingedreht und über die Histone gewickelt in den Chromosomen im Zellkern verpackt. Diese RNA bekommt ein „Cap“, eine kleine Basensequenz als Start. Die nun entstandene Boten (=“Messenger“)-RNA (mRNA) verbindet sich über ihr Cap mit einem Protein und wird aus dem Zellkern ins Zytoplasma transportiert.

Im Zytoplasma existieren einzelne, ebenfalls mit einer Lipidmembram umhüllte Bereiche, das endoplasmatische Retikulum. Auf dessen Oberfläche sitzen kleine „Fabriken“, die sogenannten Ribosomen, an denen die mRNA über ihr CAP andockt. Die mRNA dient nun als Bauplan für die Produktion von Eiweißpartikeln. Je drei Nukleinsäuren sind der Code für eine Aminosäure. So kodiert zum Beispiel dreimal die Nukleinbase Adenin (AAA) für die Aminosäure Lysin. Über sogenannte Transfer-RNA (tRNA) Moleküle wird nun Aminosäure für Aminosäure am Ribosom gemäß dem Plan der mRNA aneinandergehängt, eine Eiweißkette entsteht im Inneren des endoplasmatischen Retikulums. Nach Beendigung dieser Arbeit wird die schützende Cap-Struktur von der mRNA entfernt und die mRNA wird durch Enzyme abgebaut. Vom Endoplasmatischen Retikulum spalten sich nun kleine kugelförmige Bläschen (Vesikel) ab, in deren Inneren sich nun die neu entstandenen Eiweißketten befinden. Diese Vesikel gelangen zur Zellmembran und verschmelzen mit dieser, die Eiweißpartikel gelangen somit an die Oberfläche (Außenseite) der Zelle

Nun zurück zu unserer mRNA-Impfung: die ersten beiden Impfungen (BioNTech-Pfizer und Moderna) bestehen aus mRNA in einer „Lipidhülle“. Die Lipidhülle braucht es, damit die mRNA durch die ebenfalls aus Lipiden (Fetten) bestehende Zellmembran ins Zytoplasma gelangen kann. Danach wird diese Impf-mRNA – genau gleich wie unsere körpereigene mRNA an den Ribosomen als Bauplan genommen und das gewünschte Eiweißpartikel entsteht. In diesem Fall eben ein sogenanntes Spike-Protein, wie es auch COVID-Viren besitzen.

Es gibt grundsätzlich keinen Mechanismus, über den mRNA wieder zurück in den Zellkern kommen könnte, geschweige denn, wieder (wozu auch?) in unser Genom, in die DNA, eingebaut werden könnte. Da die mRNA nach Benutzung in der Zelle abgebaut wird, ist aus zellbiologischer Sicht auch mit keinen „Langzeitschäden“ zu rechnen.

Blog: Demokratie, Freiheit & Pandemie

„Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ So steht es in unserer Bundesverfassung.

Die persönliche Freiheit in Österreich definiert sich weitgehend über den Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtskonvention, das „Recht auf Freiheit und Sicherheit“.

Wenn ich nun auf Facebook immer wieder lese, es sei die „persönliche Freiheit“ von einzelnen, im Zuge der COVID-Pandemie zu tun und lassen was er/sie will, und dass niemand zu etwas gezwungen werden darf (Tests, Impfungen), so scheinen mir diese Menschen lediglich ihr Recht auf Freiheit zu sehen, nicht aber das genauso wichtige Recht der Mitmenschen auf Sicherheit.

Es kann nicht das mit der Freiheit begründete Recht eines Einzelnen sein, die Maskenpflicht zu ignorieren oder verpflichtende Tests nach Kontakt mit einer ansteckenden Erkrankung abzulehnen, wenn er damit die Gesundheit und somit die Sicherheit von Mitmenschen gefährdet. In letzter Konsequenz ist – wenn es zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit ganzer Bevölkerungsgruppen dient – unter Abwägung aller Interessen (Freiheit gegen Sicherheit) sogar eine Impfpflicht nicht kategorisch auszuschließen. Natürlich ist eine Lösung basierend auf Vernunft und Freiwilligkeit in jedem Fall zu bevorzugen. Im Detail werden sich Verfassungsexperten und nicht Mediziner wie ich mit dieser Thematik befassen müssen. Die Entscheidung liegt letztendlich aber bei der vom Volk demokratisch durch die Wahl für diese Legislaturperiode gewählten Regierung.

Ich möchte aber an dieser Stelle einfach einmal darauf aufmerksam machen, dass es nicht sein kann, dass mittlerweile 5 meiner Patienten an (und nicht mit!) COVID verstorben sind, weil der Verweis auf die Verfassung und die Menschenrechtskonvention dazu missbraucht wird, den eigenen Egoismus unter dem Deckmantel der Freiheit auszuleben, die ebenso wichtige und im gleichen Gesetz verankerte Sicherheit für die Mitmenschen aber unter den Teppich gekehrt wird.

Blog: COVID-19 Impfung – wo stehen wir?

Im Moment sind mindestens 58 Impfstoffe weltweit in Entwicklung. Ich werde in diesem Blog versuchen, einen kleinen Überblick über die im Moment verfügbare Information für die drei fortgeschrittensten und für uns wohl bedeutendsten Impfstoffkandidaten für COVID-19 zu geben (Stand 9.12.2020).

In Zulassung befinden sich im Moment folgende Impfstoffe:

BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech)

mRNA-1273 (Moderna)

ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca)

Praktisch alle bisher von uns routinemäßig verwendeten Impfstoffe bestehen aus abgeschwächten bzw. abgetöteten Erregern oder aus Teilen des Erregers. Also aus Eiweißpartikeln, auf die unser Immunsystem die entsprechende Immunantwort (=Impfschutz) entwickelt. Da die Entwicklung und Herstellung dieser bisher verwendeten Art von Impfstoffen eine sehr lange Zeit (Jahre) in Anspruch nimmt, welche wir im Zuge dieser COVID-Pandemie nicht haben, wurden nun „neue“ Ansätze der Impfstoffentwicklung verwendet, welche eine erheblich verkürzte Entwicklungszeit ermöglichen. Das „neu“ deshalb unter Anführungszeichen, weil diese Technik zur Therapie von Krebs schon länger „in der Schublade liegt“ bzw. verwendet wird.

Alle drei Impfstoffkandidaten haben eines gemeinsam: es wird nicht wie gewohnt das Antigen (also das komplette Eiweißpartikel), sondern lediglich die entsprechende RNA, also der Bauplan für das gewünschte Eiweiß verabreicht. Unsere körpereigenen Zellen verwenden dann diesen Bauplan, um daraus die entsprechenden Eiweißpartikel zu synthetisieren („Proteinbiosynthese“). Ein Vorgang, der in unseren Zellen permanent abläuft. Im Prinzip genau gleich, wie es auch das Virus selber macht. Und erst auf diese Eiweißpartikel bildet unser Immunsystem dann die entsprechende Antwort, also die gewünschte Immunität. Es kommt zu keinem Einbau dieser mRNA in unser eigenes Genom. Die Impfung ist somit eher mit einer Virusinfektion als mit einer „Gentherapie“ zu vergleichen.

Die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna sind sogenannte mRNA Impfstoffe. Das bedeutet, dass der Impfstoff nur aus einer mit Nanolipiden umhüllten mRNA besteht, welche in die Zielzellen eindringen kann und dort zu den entsprechenden Eiweißpartikeln „transkribiert“, d.h. „abgeschrieben“ wird.

Etwas anders funktioniert der Impfstoff von Oxford-AstraZeneca. Hier handelt es sich um einen sogenannten „viralen Vektorimpfstoff“. Das bedeutet, dass die entsprechende RNA, der Bauplan für unser benötigtes Eiweiß in ein komplettes Virus „eingebaut“ ist. Im konkreten Fall ein modifiziertes Schimpansen-Adenovirus, also einem für uns ungefährlichen Virus. Dieses Virus „infiziert“ die Zielzellen in unserem Körper, die mRNA wird – wie auch bei den reinen RNA-Impfstoffen – transkribiert, d.h. „abgeschrieben“ und die für die Immunreaktion gewünschten Eiweißpartikel werden synthetisiert.

Aber nun zu den für die einzelnen Kandidaten verfügbaren Daten:

 

BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech):

mRNA-Impfstoff. es werden sowohl Antikörper wie auch T-Zellen produziert, d.h. es gibt eine humorale (Antikörper-basierte) und eine zelluläre Immunantwort.

Phase II/III Studie NCT04368728, Start 29.4.2020, 43998 Teilnehmer.

Abschlussanalyse nach 170 bestätigten COVID-19-Fällen: 162 in der Placebo-Gruppe, 8 unter den geimpften. 10 schwere Verläufe, davon 9 in der Placebo-Gruppe.

Impfschutz 95% (p<0,0001) 28 Tage nach der ersten Impfung, bei Erwachsenen über 65 Jahren 94%.

Nebenwirkungen: bisher laut Data-Monitoring-Committee keine schwerwiegenden, die meisten Nebenwirkungen waren nur vorübergehend. Die häufigsten Nebenwirkungen nach der ersten und zweiten Impfung waren Erschöpfung mit 3,8% und Kopfschmerzen mit 2%. Es traten weniger Nebenwirkungen bei älteren Studienteilnehmern auf.

Lagerung bei -70°C. Kosten ca. 16 Euro pro Dosis, von der EU sind 200 Millionen Dosen bestellt, mit der Option auf zusätzliche 100 Millionen Dosen. 

(Datenquelle: Gelbe Liste, BMJ 2020/371)

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mRNA-1273 (Moderna):

mRNA-Impfstoff

Phase III Studie mit über 30.000 US-amerikanischen Teilnehmern, 7000 davon über 65 Jahre alt, 5000 unter 65-jährige Hochrisikopatienten mit chronischen Erkrankungen.

Analyse nach 95 COVID-19-Fällen: 90 in der Placebo-Gruppe, 5 unter den geimpften. 11 schwere COVID-19-Verläufe, alle in der Placebo-Gruppe

Impfschutz 94,5%

Bisher wurden keine endgültigen Daten publiziert.

Lagerung laut Hersteller in einem normalen Gefrierschrank bis zu 6 Monaten.

(Datenquelle: BMJ 2020; 371)

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ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca)

viraler Vektorimpfstoff

Phase III Studie Start 28.8.2020, geplant 40.000 Teilnehmer, laufend.

  • Wirksamkeit

Zwischenanalyse nach ca. 4 Monaten Phase III, untersucht an 11636 Teilnehmern, davon der Großteil (10218) zwischen 18 und 55 Jahren. 60,5% weibliche Teilnehmer. Ergebnisse ab 14 Tage nach der 2. Impfung.

10 Krankenhauseinweisungen aufgrund von COVID-19 in der Placebo-Gruppe, keine in der Impf-Gruppe. Unter 5807 geimpften erkrankten 30 an COVID-19, in der Placebogruppe mit 5829 Teilnehmern 101.

Impfschutz 70,4%

Allerdings wurden zwei verschiedene Impfschemata getestet: in einer Gruppe bekamen alle Teilnehmer sowohl bei der ersten wie auch bei der zweiten Impfung die volle Dosis – der Impfschutz betrug allerdings nur 62,1%. In der Gruppe, welche bei der ersten Impfung nur eine verminderte Dosis erhielt, und nur die zweite Impfung mit der vollen Dosis, zeigte sich erstaunlicherweise ein Impfschutz von 90,0%.

  • Nebenwirkungen

Nebenwirkungen wurden anhand von 12174 mit dem Impfstoff geimpften vs. 11879 Teilnehmern in der Placebogruppe erhoben. Es gab 175 schwere unerwünschte Nebenwirkungen, 84 in der Gruppe der geimpften, 91 in der Placebo-Gruppe.

 

(Datenquelle: the Lancet; Dez 2020)

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Soweit inzwischen die Datenlage. Mit alle drei Impfstoffen zusammen wurden also mittlerweile über 50.000 Studienteilnehmer in den letzten 7 Monaten gegen COVID-19 geimpft. Ohne einen dokumentierten Toten, mit einigen hundert mittleren bis schweren unerwünschten Nebenwirkungen. Mit meines Wissens einer lebensbedrohlichen Nebenwirkung („Transverse Myelitis“, ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca)).

Zum Vergleich: wenn sich von 50.000 Menschen die Hälfte, also 25.000, mit COVID infizieren würden, müssen wir von über 1000 Menschen auf einer Intensivstation und etwa 100 Toten ausgehen.

Mein persönlicher Favorit ist im Moment eindeutig BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech) – aber wir werden ja sehen, welcher uns tatsächlich zur Verfügung stehen wird. Mit etwas Skepsis sehe ich im Moment noch den Impfstoff ChAdOx1 / AZD 1222 (Oxford-AstraZeneca). Einerseits verwendet dieser – zusätzlich zur ohnehin noch stark diskutierten mRNA Technik einen Virusvektor als Vehikel. Andererseits liefert dieser bei den zwei verwendeten Impfschemata (siehe oben) nicht ganz erklärbare Unterschiede in der Wirksamkeit.

Mit einer zeitnahen Zulassung ist meines Erachtens am ehesten beim BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech) zu rechnen. Einziger Haken bei dieser Variante: die Logistik, da der Impfstoff eine Temperatur von -70°C bei der Lagerung verlangt. Aber auch hier ist der Hersteller dabei, eine Lösung zu finden.  

Blog: Zwischenstand Massentests Tirol

Wir hatten in Tirol bis gestern etwas unter 150.000 Teilnehmer bei den Massentests. Mit heute könnten wir mit etwas Glück Richtung 250.000 kommen, was allerdings auch gerade einmal 30% der Bevölkerung entspricht. 30%, die ohnehin generell achtsam und rücksichtsvoll im Umgang mit COVID sind.

Was haben wir bisher gelernt? In ganz Tirol waren lediglich 0,3% der Antigen-Schnelltests positiv. Entweder wir haben - was ich mir in dem Teil der Bevölkerung, der sich auch testen ließ, vorstellen kann - eine wirklich sehr kleine Dunkelziffer, oder der Test hat eine sehr schlechte Sensitivität. Aber auch wenn der Test nicht einen von 5, sondern jeden zweiten übersehen würde, wären wir immer noch weit unter 1% Dunkelziffer.

Das Positive: Kritiker der Massentests haben für ihre Modellrechnungen eine Spezifität von 98% angenommen. Das heißt, sie sind davon ausgegangen, dass 2 von 100 Tests falsch positiv sind. Woher die 98% kommen ist mir nicht klar, der Hersteller gibt 99,68% Spezifität an. Bei den ersten 150.000 Tests in Tirol waren nun 0,3% positiv. Und davon wurden über 0,2% bei der PCR Kontrolle als richtig positiv bestätigt. Das heißt, dass unter 0,1% der durchgeführten Tests falsch positiv waren. Dieses Ergebnis einer Spezifität von über 99,9% übertrifft die Angaben des Herstellers (Roche) und widerspricht den Annahmen mancher Experten und Kritiker, wie zum Beispiel der auf facebook recht aktiven Public health Gruppe der Uni Graz um Martin Sprenger – welche durch ihre Aussagen und Annahmen meines Erachtens die Mitverantwortung an der geringen Testbeteiligung tragen.

Blog: Lockdown-Ende und Massentests

Die Entscheidung der Regierung, den harten Lockdown mit Montag weitgehend aufzuheben, hat mich doch einigermaßen überrascht. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde zu Beginn des harten Lockdowns einmal von einem Ziel von unter 1000 Neuinfektionen täglich gesprochen – und davon sind wir ein gutes Stück entfernt.

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